Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt

In Sachsen-Anhalt sind derzeit rund 5000 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet, 3500 von ihnen stammen aus Syrien. Inzwischen haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit aber auch mehr als 1000 Menschen aus „Asylherkunftsländern“ einen Job, gut 450 von ihnen kamen ursprünglich aus Syrien.

Bei der Deutschen Post haben bundesweit bislang 457 Geflüchtete ein Praktikum absolviert, 292 haben vom Unternehmen einen Arbeitsvertrag erhalten. In Deutschland zählt die Post mit 200.000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern, in Sachsen-Anhalt beschäftigt der Konzern 1687 Mitarbeiter.

Unternehmen, die Flüchtlingen eine Chance geben wollen, können bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) Hilfen wie Eingliederungszuschüsse beantragen. Zuständig hierfür ist der Arbeitgeberservice der BA.

Osterweddingen l Ein wenig aufgeregt wirken Gheis Dayob und Anas Almalla an diesem Vormittag. Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) und Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kommen, sie wollen sich am Standort der Deutschen Post in Osterweddingen über die Integrations-Bemühungen des Unternehmens informieren – und da sind die beiden syrischen Flüchtlinge sowie vier weitere Kollegen aus dem kriegsversehrten Land besonders gefragt.

Sie alle sind von der Post inzwischen fest angestellt worden, nachdem sie dort zuvor ein Praktikum absolviert hatten. Dayob und Almalla arbeiten im Paketzentrum. „Wir sortieren, wir laden die Pakete ein und aus“, erzählt der 24-jährige Almalla und lächelt. Er spricht inzwischen recht gut deutsch, vor zwei Jahren ist er über die berüchtigte Balkan-Route in die Bundesrepublik eingereist. Und jetzt zählt er auch zu jenen, die im Arbeitsleben angekommen sind.

Flüchtlinge in Jobs zu vermitteln, ist und bleibt allerdings eine Herausforderung. Im Februar waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Halle knapp 5000 Menschen aus den „Asylherkunftsländern“ arbeitslos gemeldet, rund 3500 von ihnen stammen aus Syrien.

Bilder

450 Syrer haben einen Job

Nach dem großen Flüchtlingsstrom ist ihre Zahl stetig gestiegen, nur langsam steigen auch die Beschäftigtenzahlen. Bislang konnten mehr als 450 Syrer in versicherungspflichtige Jobs vermittelt werden, insgesamt haben mehr als 1000 Menschen aus Krisenländern einen Job. Die langsame Entwicklung war allerdings auch so zu erwarten. Flüchtlinge wie Gheis Dayob und Anas Almalla durchlaufen zunächst das Asylverfahren, um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Sie müssen zudem Deutsch lernen, Integrationskurse besuchen und sich in ihrer neuen Heimat zurechtfinden. Das alles kostet Zeit, in der Regel geht es erst danach um konkrete Berufsperspektiven.

Anas Almalla ist ehrgeizig, er hofft auf Aufstiegsperspektiven bei der Post: „Mein Traum ist es, ein Duales Studium zu absolvieren“, sagt er. In seiner Heimatstadt Damaskus hatte er einst ein Ingenieurs-Studium begonnen, musste dies jedoch durch den Krieg abbrechen und fliehen. Post-Betriebsrat Andreas Kögler ist optimistisch, dass Almalla es packen könnte – er müsse allerdings zuvor noch den Integrationskurs erfolgreich beenden.

Hoch motiviert ist auch Gheis Dayob, er will arbeiten, um Geld für seine Frau und seine vier Kinder zu verdienen. Das jüngste, seine Tochter, ist in Deutschland zur Welt gekommen. Vor zwei Jahren war der 37-Jährige zunächst alleine in die Bundesrepublik gereist, er hat dann erst später für Frau und Kinder den Familiennachzug beantragt. Und seit etwa einem Jahr ist er jetzt bei der Post. „In Syrien hatte ich eine kleine Firma“, erzählt er, „ich habe mit Handys und Computern gehandelt – bis der Krieg kam.“

Konzerne tun sich schwer

Bundesweit haben bei der Deutschen Post inzwischen 457 Flüchtlinge ein Praktikum absolviert, 292 haben nach Angaben des Unternehmens einen Arbeitsvertrag erhalten. Die Bilanz der Post kann sich sehen lassen, besonders im Vergleich zu anderen deutschen Großkonzernen, die sich bislang mit der Einstellung von Flüchtlingen eher schwertun.

Und auch wenn Firmen Flüchtlingen eine Chance geben, ist der Erfolg nicht garantiert. Das hallesche Bauunternehmen Papenburg etwa hatte jüngst für Aufsehen gesorgt, weil nur einer von 70 Praktikanten bei der Firma geblieben ist. „Es gibt bürokratische Hürden und man muss als Unternehmen einen langen Atem haben“, sagt Post-Niederlassungsleiter Ingo Kutsch dazu. Am Standort Osterweddingen hat er einen Sachbearbeiter freigestellt, der sich um die Belange der Flüchtlinge kümmert. „Wenn man als Firma wirklich integrieren will, dann gelingt das auch.“

Regierungschef Reiner Haseloff sieht ebenfalls Chancen, die Unternehmen könnten mit Hilfe der Flüchtlinge den wachsenden Fachkräftemangel lindern. Das ist auch für die Post ein zentraler Grund, weshalb sie sich engagiert. In Osterweddingen etwa müssten oft Stellen nachbesetzt werden.

Noch mehr getan werden sollte aus Sicht von Arbeitsministerin Grimm-Benne für syrische Frauen. Diese seien oft nicht ausreichend qualifiziert, zudem würden es manche Männer kritisch sehen, wenn ihre Frauen arbeiten.

Anas Almalla hingegen treibt ein anderes Problem um. Er ist alleine in Deutschland, und weil er über 18 Jahre alt ist, durfte er seine Eltern nicht nachholen. „Ich habe sie inzwischen seit vier Jahren nicht mehr gesehen“, erzählt er. Lediglich über Internet kann er den Kontakt halten. Ein kleiner Trost ist für ihn eine deutsche Familie aus Colbitz, die sich, seit er da ist, um ihn kümmert. „Sie ist für mich meine zweite Familie.“