Halle (dpa) – Der Insolvenzverwalter Lucas Flöther aus Halle hat vor einer steigenden Zahl von Unternehmenspleiten in Sachsen-Anhalt gewarnt. Zwar gehe die Zahl der Insolvenzen derzeit zurück, aber das sei vor allem der guten Konjunktur und dem Zugang zu billigem Geld dank des Zinstiefs zu verdanken, sagte der Jurist. "Die Probleme eines Unternehmens wurden dadurch nicht beseitigt, aber kaschiert." Wenn sich die Konjunktur etwas abschwäche, erhöhten diese Probleme wieder das Insolvenzrisiko, warnte Flöther.

Im ersten Halbjahr 2015 waren die Unternehmensinsolvenzen im Land im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Statistischem Landesamt um 6,4 Prozent zurückgegangen – auf 278.

Hohe Risiken für ostdeutsche Firmen

Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsauskunftei Bürgel bescheinigt Firmen in Sachsen-Anhalt die bundesweit höchste Insolvenzgefahr. Aktuell seien 12,8 Prozent der Unternehmen in einer finanziellen Schieflage und somit Pleitekandidaten. Im Vergleich zu Februar habe sich die Zahl der insolvenzbedrohten Firmen im November um 2 Prozent erhöht. Bundesweit hätten 8,8 Prozent der Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten, alle ostdeutschen Länder lägen über diesem Schnitt. Bürgel wertete für die Studie den Bonitätsindex für rund 3,3 Millionen Unternehmen aus, um die Finanzlage zu analysieren.

Dass die Studie vor allem für ostdeutsche Unternehmen hohe Risiken feststelle, liege an der Wirtschaftsstruktur, sagte der Insolvenzverwalter. "Große Industrien sind im Osten rarer angesiedelt, die Unternehmen sind vergleichsweise jung und haben eine geringere Eigenkapitalquote." Betroffenen Unternehmern rät der Experte, bei Zahlungsproblemen möglichst früh zu reagieren. "Wenn am Himmel graue Wolken aufziehen und eine Insolvenz droht, müssen sie sich mit Plan-B-Szenarien beschäftigen, auch um die Chance zu haben, die Zügel in der Hand zu halten.

Flöther hatte nach Insolvenzen zuletzt unter anderem den Fahrradhersteller Mifa in Sangerhausen und den Maschinenbauer Vakoma aus Magdeburg gerettet.