Flyt.club in Zahlen

Um die 700 Privatpiloten sind momentan bei Flyt.club registriert. Nicht jeder ist aktiv. Aktuell bietet die Website 280 Mitfluggelegenheiten an. Nach Angaben von Flyt.club, gab es im ersten Jahr 300 Mitflieger, wobei es mit den Buchungen erst so richtig ab März 2016 los ging.

Ein Flug kann 60 oder auch 200 Euro kosten. Das ist abhängig von der Flugstrecke, wieviel Passagiere mitfliegen und sich die Kosten teilen, und mit was für einer Maschine der Pilot startet.

Etwa zwei Buchungen pro Tag verzeichnet der Dienst aktuell. Um rentabel zu werden, müssten es um die 17 Buchungen pro Tag sein. Das wollen die drei Gründer mit der Erschließung des europäischen Marktes schaffen – und das soll, laut aktuellem Plan noch in diesem Jahr passieren.

Leipzig l Ungetünchte Betonwände, von den Decken hängen Kabel, auf den Tischen stehen Macs, über die junge Menschen schweigend gebeugt sind. Eingerahmt von zwei größeren Tischgruppen, sitzen Marcus Loffhagen, Peter Nürnberger und Kim Becker. Auf ihrem Schreibtisch drei Bildschirme. In einem vorderen Raum, ebenso riesig wie der Büroraum, steht einsam eine angestaubte Tischtennisplatte. Eine Szenerie, wie sie jeder mittelklassige Regisseur im Film erfinden würde: Genauso stellt man sich junge Start-ups vor. Das Banner im Hintergrund des Tisches verrät, woran die drei Mittzwanziger arbeiten: „Flyt.club – Deine Mitflugzentrale“, steht da in großen Lettern auf blauem Hintergrund.

Die Idee von Flyt.club ist einfach und scheint perfekt in die heutige Sharing-Gesellschaft zu passen: Hobbypiloten, die kleine Propellerflugzeuge oder gar einen Hubschrauber fliegen, können ihre Flugstrecke auf Flyt.club angeben und Passagiere mitnehmen. Die Kosten des Fluges, wie beispielsweise Kraftstoff und Landegebühren, teilt sich der Pilot mit dem Passagier. Flyt.club erhebt eine Provision für das erfolgreiche Vermitteln. Der Pilot verdient daran nichts, sondern freut sich, die Kosten seines teuren Hobbys etwas verringert zu haben – und der Passagier kommt so an einen günstigen Privatflug.

Hobbypiloten bieten Plätze an

Es war Kims Idee: Er saß in Trier und stand kurz vor dem Ende seines Bachelors in „Intermedia Design“. Auf der Suche nach einem Thema für die Abschlussarbeit las er von einem Portal im Internet, das Hobbypiloten und Flugbegeisterte zusammenbringen solle. Für ihn war sofort klar: Dafür braucht es eine schicke, übersichtliche Seite, die auch ein Laie versteht. Die Idee zu einer Mitflugzentrale war geboren. Kim holte seinen Studienfreund Peter ins Boot, der das Ganze programmieren konnte und los ging‘s.

Für diese Idee haben Peter und Kim einen Neuanfang gewagt. Sie entschieden sich gegen ein Masterstudium und dafür, zusammen zu gründen. Nur wo? In Trier wollten beide nicht bleiben. Kim ist aus der Nähe von Dortmund, Peter aus Thüringen, zwischenzeitlich wohnte er in Halle an der Saale. „Das Schöne ist ja“, erzählt er, „dass man eine Website von überall machen kann.“ Leipzig klang verlockend. In der Messestadt trafen sie auf Marcus, BWLer. Er hatte bereits ein Start-up mit aufgebaut. Einer wie Marcus hatte im Team gefehlt, denn jemand muss ja die Buchhaltung übernehmen. Außerdem kennt er sich mit Suchmaschinenoptimierung aus.

Mitflugzentrale wird über Google gesucht

Seitdem sind sie zu dritt und nennen sich nicht mehr Mitflugbörse, sondern Mitflugzentrale, da das in der Googlesuche öfter eingegeben wird, wie Marcus seinen Mitstreitern erklärt hat. Im Juli 2015 wurde Flyt.club offiziell gegründet.

Es war die erste Mitflugzentrale, blieb aber nicht die einzige: „Witzigerweise haben sich fast alle Mitflugzentralen gleichzeitig gegründet“, erzählt Kim. Das liegt wahrscheinlich auch an der EU-Verordnung, die zu dieser Zeit kam und rechtlich regelt, dass ein Hobbypilot Passagiere mitnehmen darf, so lange er keinen Gewinn damit macht. Konkurrenten von Flyt.club sind unter anderem die Dienste Wingly und Skyüber.

„Es war große Vorfreude, denn es ist viel Neues: eine neue Stadt, neue Möglichkeiten, aber natürlich auch viel Unsicherheit. Gerade am Anfang: Wir hatten uns schon für eine Förderung beworben, die war jedoch noch nicht bestätigt“, erinnert sich Peter. Ohne finanzielle Hilfe würde die Idee aktuell nicht funktionieren. Derzeit haben die Flyt.club-Macher ein Stipendium der Sächsischen Aufbaubank, das noch bis März läuft und dafür sorgt, dass sie Vollzeit an ihrem Start-up arbeiten können.

Die erste Zeit wird von der WG von Peter und Kim aus gearbeitet. Zusammen wohnen, zusammen arbeiten, rund um die Uhr das Start-up im Kopf haben: Das funktioniert nur, wenn man auch gut befreundet ist. Dennoch hat jeder auch mal einen Tiefpunkt: „Klar, man hat immer ein Auf und Ab, aber wir sagen uns dann: Man kann immer noch morgen aufgeben“, sagt Marcus und lacht.