Magdeburg l Alle Hände voll zu tun hat Flavia Hollburg dieser Tage, das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft läuft. Die 33-Jährige muss jetzt nicht nur in ihrem neuen Feinkostladen in der Grünen Zitadelle wirbeln, sie verkauft ihre Wurstdelikatessen auch auf dem kleinen Weihnachtsmarkt, der in den Höfen des Hundertwasserhauses stattfindet. Doch der Stress stört sie nicht, im Gegenteil: „Es ist ein schönes Gefühl, für sich selbst zu arbeiten und nicht nur eine Nummer in einem Unternehmen zu sein.“

Erst seit einem Jahr ist Flavia Hollburg wieder zurück in ihrer Heimat. Die vergangenen zwölf Jahre hat sie Karriere in Österreich gemacht. „Ich bin hier mit 20 weg“, erzählt sie. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation habe ihr in Magdeburg die Berufsperspektive gefehlt. „2004 war es hier für junge Leute schwierig und ich wollte schon immer raus in die Welt.“

Hollburg machte sich mit ihrem damaligen Freund nach Österreich auf und landete zunächst in einer Privatklinik für Chirurgie und Sport in Vorarlberg. Danach ging es für sie zur Österreichischen Wirtschaftskammer. Aus- und Weiterbildung war einer ihrer Schwerpunkte, ein weiterer Marketing. Nach sechs Jahren ging es dann die Karriereleiter weiter steil hinauf: Marketingleiterin bei einem Zeitungsverlag, zwei Jahre später Chefin für Marketing und Kommunikation in einem großen Baukonzern.

Die Verbindung in ihre Heimat ist jedoch nie abgerissen. „Für mich stellte sich irgendwann die Frage, wie es mit meinen Eltern weitergeht“, erzählt Hollburg. Diese hatten nach der Wende eine Landfleischerei in Niederndodeleben gegründet, nun war niemand vor Ort, der den Betrieb früher oder später übernehmen könnte.

Hollburg entschied sich deshalb, in ihre Heimat zurückzukehren. Doch nicht etwa nur, um mittelfristig den Betrieb zu führen. „Ich hatte die Idee, zusätzlich ein Feinkostgeschäft zu eröffnen.“ Und die hat sie prompt in die Tat umgesetzt. Seit einem Jahr verkauft Hollburg jetzt schon Produkte aus eigener Familienschlachtung. „Wir machen Hausschlachtewurst nach altdeutschem Rezept“, erzählt sie. „Die Rezepte haben wir vom Opa überliefert bekommen.“

Ein Land der Neider

Leicht sei ihr die Rückkehr in die Heimat nicht gefallen. „Willkommen gefühlt habe ich mich nicht“, betont sie. „In Österreich gilt noch Handschlagqualität, ein Miteinander. Hier geht es oft gegeneinander – wir sind immer noch ein Land der Neider.“

Auch Unterstützung von seiten der Behörden habe ihr gefehlt, was auch daran liegt, dass Rückkehrer aus dem Ausland keinen Anspruch auf Fördermittel haben. „Mich hat jeder in Magdeburg erst einmal gefragt, was ich hier überhaupt will – obwohl das doch meine Heimat ist.“ Hollburg ist aber niemand, der sich so leicht unterkriegen lässt. Letztlich schaffte sie es auch so, das neue Geschäft auf die Beine zu stellen. Und sie freut sich, dass ihr Laden bislang gut läuft. „Wir haben tolle Stammkunden, die gute Lebensmittel schätzen und für Qualität gerne Geld ausgeben – das hätte ich so nicht erwartet“, erzählt sie.

Fleiß und Mut

Ihr Erfolgsrezept für die Karriere beschreibt sie so: „Ich habe immer mit Fleiß, Mut und Durchsetzungsvermögen überzeugt.“ In Österreich sei das schon wichtig gewesen, um die Führungspositionen zu erreichen, die gerne auch Männer für sich beanspruchen. „Die alten Hasen habe ich außerdem oft mit Fachkenntnissen für mich gewinnen können.“

Was die Selbstständigkeit betrifft, könne sie aber auch verstehen, wenn Frauen heutzutage davor zurückschrecken und eine Anstellung bevorzugen. „Der Staat macht es einem als Gründer nicht leicht und man muss manchmal mit Existenzängsten umgehen, wenn es vorübergehend mal nicht so gut läuft.“

Aber die Selbstständigkeit habe auch Vorzüge. „Als Angestellte habe ich es erlebt, wie mir Vorgesetzte meine Ideen geklaut haben“, erzählt sie. Jetzt könne sie ganz alleine entscheiden, was sie mit ihrem Feinkostgeschäft macht. „Außerdem liegt mir die Selbstständigkeit im Blut, meine ganze Familie hat immer selbstständig gearbeitet.“

Im kommenden Jahr will Hollburg bei der Übernahme des elterlichen Betriebs weiter vorankommen. „Das wird ein schleichender Prozess“, erklärt sie. Von sich sagt Hollburg aber auch: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt.“