Mieste l Mit einem Übungszug der Deutschen Bahn, der in dieser Zeit für die Ausbildung zur Verfügung stand, wurde ein Chemieunfall simuliert, der die Kameraden vor einige Herausforderungen stellte.

Um 18.05 Uhr geht der Alarm los. Wenig später sind Einsatzkräfte der Miester Ortsfeuerwehr ausgerückt und erfahren von einem Bahnmitarbeiter, der den Lokführer des Unglückszugs mimt, was passiert ist. Abstand halten, ist das erste Gebot.

Die Luft ist drückend und schwül, als sich zwei Kameraden ihre dicken grünen Schutzanzüge überstreifen. Vorsichtig, aber zügig marschieren die beiden zum Unfallort. Hinter ihnen ballt sich bereits ein Gewitter zusammen. Das Funkgerät knarzt und krächzt. „Eine verletzte Person“, meldet einer der beiden. „Wie bitte? Keine verletzte Person?“, quäkt es aus dem Lautsprecher. „Nein, eine verletzte Person“, wiederholt der Feuerwehrmann.

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Ohnmächtige Person wird geborgen

Es dauert einige Zeit, bis die Ohnmächtige, dargestellt von Lisa Wagner, geborgen und aus dem Gefahrenbereich herausgebracht worden ist. Währenddessen fließt der Giftstoff, beziehungsweise in diesem Falle: das Wasser, unaufhaltsam weiter aus dem Zug.

Inzwischen gleicht die Siemser Straße einem Blaulichtmeer. Sturm treibt Sand über die Straße. Dann bricht es los. Ein Wolkenbruch mit dichten Regenfällen und Hagelschauern. Eine halbe Stunde nach dem Alarm wird die Übung wegen des Unwetters abgebrochen.

Abbruch wegen Sturmwarnung

„Wir haben Sturmwarnungen im ganzen Land“, sagt Hans Thiele, der Dezernatsleiter des Landkreises Salzwedel, der für diese Übung verantwortlich zeichnet. „Was ich sehen wollte, das habe ich gesehen. Das Abdichten des Loches können sie, das haben sie oft genug geübt. Aber wenn jetzt im Sturm etwas passiert, möchte ich lieber, dass die Feuerwehrleute an ihren Standorten sind und im Ernstfall ausrücken können.“ Nach einer kurzen Abschlussbesprechung rücken die Ortsfeuerwehren schließlich wieder ab.

Die Ergebnisse der Übung: Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren aus Gardelegen, Jävenitz, Kakerbeck, Kalbe, Klötze und Mieste. Ausgerückt waren zu dem Einsatz insgesamt 53 Kameraden mit zehn Fahrzeugen. Bereits vor Ort befanden sich die Feuerwehren aus Salzwedel und Arendsee, die den Nachmittag über mit dem Übungszug trainiert hatten.

Mit den Zahlen und dem Tempo der Feuerwehren ist Thiele sehr zufrieden. „Wir haben bewusst eine Alarmierungszeit mitten in der Woche gewählt und zu einer Zeit, in der viele noch nicht zu Hause sind oder gerade losfahren zur Schicht“, sagt Thiele. Die erreichten Zeiten seien „super“ gewesen.

Feuerwehren völlig überrascht

„Die Ausrückzeiten entsprachen der Realität, die Feuerwehrleute sind von dem Alarm komplett überrascht worden. Manchmal sickert ja auch schon vorher etwas durch, wenn eine Übung geplant ist, aber das war diesmal offenbar nicht der Fall“, freut sich der Dezernatsleiter.

Realistische Ausrückzeiten

Gut und schnell gelöst hätten die Kameraden die wichtigsten Aufgaben bei einem solchen Einsatz wie den Sicherheitsabstand einhalten, den Aufbau einer Kommunikationsstruktur und das Einrichten des Funkkontakts. Und was ist nicht so gut gelaufen? „Die verletzte Person lag ein bisschen zu lange da. Das hätte etwas schneller gehen müssen“, so der Dezernent.

Negative Überraschungen oder nicht vorhergesehene Zwischenfälle habe es bei der Übung eigentlich nicht gegeben. Bis auf das Unwetter natürlich, das man bei der Planung natürlich nicht hatte vorhersehen können. Der Abbruch der Aktion sei danach sinnvoll gewesen, damit die Wehren für Einsätze bereit seien. Es gäbe sicher noch ein paar Einzelheiten, über die man nun reden müsste, aber: „Der Übungszweck ist erreicht“, sagt Thiele.