Gabriele Putz Gisela Richter

• 1948 geboren in Körzin (Brandenburg); 1967 Abitur, dann Werkzeugmacher-Lehre

• 1967 bis 1972 Studium an Burg Giebichenstein Kunsthochschule; 1972 Diplom, seitdem freiberuflich

• Jahrelang im Beirat der Kunststiftung des Landes; Ausstellungen im In- und Ausland

• 1940 in Zeitz geboren. Bis 1963 Studium Universität Leipzig, Abschluss: Diplomkunsterzieher; Fernstudium Malerei

• Seit 1975 freischaffend in Erfurt; 1990 Gründungsmitglied der Gruppe „D 206. Thüringer Sezession“

• Diverse Ausstellungen in Museen, 2008 in Erfurt verstorben

Magdeburg l Jetzt im Frühling ist es im Atelier von Gabriele Putz besonders schön. Ihr Blick von ihrem Arbeitsplatz geht durch die Fensterscheiben hinaus in den sonnenbeschienenen Garten, in dem die Bäume Knospen tragen und das Grün einen frischen Ton annimmt. Gabriele Putz liebt die Natur und die von ihr hervorgebrachten Formen, die sich schon immer in ihren Ohrringen, Ketten, Ringen wiederfanden. Physalis, Mohnkapseln, Früchte vom Blauglockenbaum. Bei Putz steht getrocknete Natur Modell. Blätter, Blüten und Früchte waren und sind Ideengeber und Inspiration.

In den vergangenen Wochen hat die Magdeburger Künst­lerin besonders oft in ihrem lichtdurchfluteten Atelier gewalzt, gehämmert, geglüht, ziseliert – immer die Ausstellungseröffnung in der Galerie Himmelreich im Blick. 30 Schmuckstücke hat sie dafür entstehen lassen. Natürlich, es kann nicht anders sein, ist die Natur wieder Teil all dieser Kunstwerke. Diesmal aber hat sich die Diplom-Schmuckgestalterin auch anregen lassen von der Literatur und dem Werk der 2008 verstorbenen Erfurter Malerin und Grafikerin Gisela Richter. Für die Doppelschau geht Putz in „Zwiegespräche im Nachhinein“, so der Titel der Ausstellung.

Gemeinsame Liebe zur Literatur

Persönlich kannten sich beide nicht. „Leider“, sagt Putz und erzählt sogleich von den Gemeinsamkeiten. Die Liebe zur Musik, zur Literatur, zur Natur. „Ich habe mich sehr gern eingelassen auf Gisela Richters künstlerische Begegnungen. Vor allem deren Gartenbilder seien „große Anregung“ gewesen. Putz vervollkommnet diese Begegnungen noch, reichert sie an mit literarischen Vorlagen. „Der geheime Garten“, ein Buch von Frances Hodgson Burnett über eine verwunschene Welt inmitten von Tieren und Pflanzen, lässt sie in einer Kette und einem Ring aufleben. Beides sieht eher aus wie zarte Malerei, das Material ist aber doch ein Stein, ein Bergkristall, dessen Zeichnungen lange vor unserer Zeit entstanden sind.

Bilder

Steine, die Geschichten erzählen

Putz hat sehr verschiedenartige edle Steine zusammengetragen. Wohl behütet liegen sie in Schubladen. Die Putz’sche Faszination für diese kleinen Gebilde, die schon lange vor uns Menschen da waren, lässt nicht nach. Die Künstlerin nimmt einen Stein, dreht ihn. Mit der Struktur beginnt ihr Kopfkino. Der Stein, so sagt sie, erzählt ihr Geschichten. Auch eine Art Zwiegespräch.

Romane als Ideengeber

Ihre erste Arbeit für die neue Ausstellung war „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Der verfilmte Bestseller steht für eisige Natur. Und die spürt man beim Anblick der Schmuckstücke. Steine schön wie Eiskristalle, fantasievoll eingefasst. Auch für Christa Wolfs Roman „Kindheitsmuster“ oder Lea Singers „Anatomie der Wolken“ hat die Künstlerin steinerne Erzähler gefunden. Liest sie selbst auch viel? „Ich lese immer“, kommt schnell zur Antwort. Kein Wunder. Sie wuchs mit Büchern auf. Die Mutter war Bibliothekarin.

Zur Ausstellungseröffnung wird es voll werden. Gabriele Putz wird geschätzt für ihr handwerkliches Können und weil sie Wert legt auf tragbaren Schmuck. Ihr Kundenkreis ist groß. Ihr Name bekannt. Sie ist ausstellungserfahren. Trotzdem verspüre sie etwas Aufregung. Sie wünscht sich, dass ihre „Zwiegespräche im Nachhinein“ in die Tiefe gehen.

Die Ausstellung wird am 4. April 2017 um 19 Uhr in der Galerie Himmelreich, Breiter Weg 213b, in Magdeburg eröffnet. Zu sehen ist sie bis 5. Mai. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 12 bis 18 Uhr, sonnabends 10 bis 13 Uhr.