Leipzig - Der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, blickt optimistisch auf das Frühjahrstreffen der Buchbranche (13. bis 16. März). Die Stimmung sei gut, die Messe entwickele sich lebhaft, sagte er im dpa-Interview.

Frage: Die Leipziger Buchmesse gilt als Trendbarometer für die Buchbranche. Wie schätzen Sie die Lage zu Beginn des Jahres 2014 ein?

Antwort: Die Lage am Buchmarkt ist aus unserer Sicht erfreulich stabil. Der Sortimentsbuchhandel hat im vergangenen Jahr sogar wieder leicht zugelegt und dementsprechend ist auch die Stimmung bei den Verlagen insgesamt gut. Was sich indessen ändert, sind die Kundenbedürfnisse. Einerseits wird der Leser immer selbstbestimmter und autonomer, andererseits sucht er eine emotionale Ansprache. Und hier kann die Leipziger Buchmesse sehr viel leisten. Unser Konzept mit dem Lesefestival "Leipzig liest" ist ja auf den direkten Kontakt von Verlag und Leser angelegt.

Frage: Schlägt sich die gute Stimmung in der Ausstellerzahl nieder?

Antwort: Ja, die Ausstellerzahl ist stabil bis leicht wachsend. Es werden wieder über 2000 Aussteller werden. Die Ausstellungsfläche wird sich durch die neue Manga-Comic-Convention deutlich von 69 000 auf 84 500 Quadratmeter vergrößern.

Frage: Die Manga-Fans sind aus der Buchmesse herausgelöst worden und haben mit der Convention ihre eigene Messe bekommen. Warum haben Sie sich für dieses neue Konzept entschieden?

Antwort: Zunächst mal bekommen nicht nur die Manga- sondern überhaupt alle Comic-Fans diese neue Messe. Der Manga-Markt entwickelt sich besonders dynamisch. Das sieht man auch an dem Besuchersegment auf der Messe, das zahlenmäßig jedes Jahr gewachsen ist, wobei die Fans von Mangas und Comics gerade die Verbindung zur Leipziger Buchmesse schätzen. Wir wollen natürlich die verschiedenen Segmente des Buchmarktes entwickeln und abbilden, und das wäre so wie bisher in der Buchmesse nicht mehr möglich gewesen. Deswegen haben wir gesagt, wir gehen in eine eigene Halle, geben den Fans eine eigene Messe, und können so das Konzept über den reinen Medienbereich weiterentwickeln, in Richtung Mode oder Games.

Frage: Zurück zur Buchmesse: Was sind für Sie persönlich in diesem Jahr die Höhepunkte?

Antwort: Das ist natürlich eine Riesenliste, aber wenn man es mal ganz scharf fokussiert, dann ist es allen voran der Auftritt der Schweiz mit mehr als 80 Autoren und das tranzyt-Programm mit Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus. Dann die Ausgliederung des Manga-Comic-Bereichs. Und jedes Jahr ein Höhepunkt ist der Preis der Leipziger Buchmesse, der in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum hat. Im Fachprogramm gibt es in diesem Jahr gleich zwei Premieren, auf die ich mich freue: So findet erstmals ein neues Konferenzformat für Verleger und Buchhändler zu Zukunftsstrategien für die Buchbranche statt und der Lehrertag feiert seine Premiere in Leipzig zur Buchmesse und etabliert damit sein Frühjahrstreffen.

Frage: Die Schweiz ist dieses Jahr Gastland. Eigentlich war der Fokus der Buchmesse ja bisher eher ein osteuropäischer. Kann man das als Schwenk verstehen?

Antwort: Das ist gar kein Schwenk. Es gibt eine Priorisierung in unserem Konzept, welche Ländergruppen wir besonders hervorheben. Da stehen allen voran mal Deutschland und die deutschsprachigen Länder und dann kommt Mittel-, Ost- und Südosteuropa, und danach folgen die anderen europäischen und außereuropäischen Länder. Auch ohne Schwerpunkt zu sein, waren die Schweiz und Österreich in den letzten Jahren auf der Messe sehr präsent. Wir wollen jetzt mit der Schweiz - und wir hoffen in der Zukunft auch mit Österreich - größere Programme realisieren, um deren Verlagen und Autoren in Deutschland einen stärkeren Auftritt zu verschaffen.

Frage: Also wann kommt Österreich als Gastland?

Antwort: Warten wir es ab. Da sind wir derzeit noch in Verhandlungen. Aber noch grundsätzlich zur Gastland-Thematik: Klassische Gastländer forcieren wir eigentlich nicht. Wir wollen in diesem Bereich auch nicht 1:1 mit der Frankfurter Buchmesse konkurrieren. Die Leipziger Buchmesse hat ein sehr fokussiertes Konzept, inhaltlich geht es um Literaturpromotion und Leseförderung. Und in diesem Kontext kommen auch nur bestimmte Länder, die mit Verlagen und Autoren bereits auf der Messe verankert sind, infrage, besonders herausgehoben zu werden.

Frage: Während der letzten Buchmessen war es teilweise sehr eng in den Gängen. Auf wie viele Besucher hoffen Sie - und verkraften Sie weiter steigende Besucherzahlen?

Antwort: 2013 hatten wir 168 000 Besucher. Wenn wir die wieder erreichen würden, wäre das sehr schön. Aber wir sind keine Besucherrekord-Jäger. Für uns ist es wichtig, die besondere Atmosphäre der Buchmesse zu erhalten, die zum Verweilen, Stöbern, zum Austausch mit Literaturfreunden und Autoren einlädt. Und dazu ist es nicht wichtig, die Zahlen ständig nach oben zu treiben. Wir haben mit der Ausgliederung der Manga-Comic-Convention über 20 Prozent mehr Fläche auf die Messe geholt. Das hilft der Entspannung auf der Buchmesse.

Zur Person: Oliver Zille (53) übernahm 1991 die Verantwortung für die Leipziger Buchmesse und ihre Neuausrichtung nach dem Mauerfall. Seit 2004 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Leipziger Messe GmbH und Direktor der Leipziger Buchmesse. Zille wurde 1960 in Leipzig geboren. Er studierte an der Berliner Hochschule für Ökonomie Außenwirtschaft und Handel.