Miami - Ihr Erstlingswerk "Das Geisterhaus" wurde ein Welterfolg. Seither experimentiert Isabel Allende mit den Genres der Literatur. Ihr neues Buch ist ein Krimi. Auch darin überlässt die Autorin den Erfolg nicht dem Zufall.

Mit "El juego de Ripper" hat die Bestsellerautorin Isabel Allende (71) ihren ersten Krimi geschrieben. Auf Deutsch soll das Buch unter dem Titel "Amandas Suche" im August bei Suhrkamp erscheinen. Die chilenische Schriftstellerin, der mit der Familiensaga "Das Geisterhaus" 1982 ein Welterfolg gelang, hat sich dem Genre Krimi nach eigenen Angaben mit Humor und Ironie genähert - auch als Kontrast zu düsteren Thrillern wie der "Millennium"-Trilogie von Stieg Larsson. In Miami erzählte sie im Interview, warum sie nicht mit ihrem Mann zusammenarbeiten kann und die Fiktion den eigenen Memoiren vorzieht.

Warum haben Sie jetzt einen Krimi geschrieben?


Allende: Das war nicht meine Idee, sondern die meiner Agentin, die mir sagte, ich solle mit meinem Mann, William Gordon, der Krimigeschichten verfasst, einen Roman schreiben. Wir beide fingen an, etwas zu planen und es wurde nichts, weil er auf Englisch schreibt und ich auf Spanisch, weil wir sehr unterschiedliche Schreibstile haben und auch eine sehr verschiedene Art zu arbeiten. Es wurde nichts. Selten habe ich beim Schreiben eines Buchs so viel Spaß gehabt.

Ist es der Humor, mit dem Sie das Genre bereichern können?


Allende: Ich bin keine Krimi-Expertin, aber es muss viele Schriftsteller geben, die es auch mit Humor angehen. Als ich 2012 mit dem Schreiben dieses Werks anfing, wusste ich nicht, dass gerade die Bücher der "Millennium"-Saga angesagt waren, weil es nicht die Art Buch ist, die ich lese. Ich habe zwei gelesen, um zu sehen, was dahinter steckt, was das Geheimnis ist. Ich kann ein Buch nicht so schreiben, so brutal, so düster und pessimistisch. Ich beschloss, dass ich das Genre mit Humor und Distanz angehen werde, dass ich mich ein wenig über das Genre lustig mache.

Welches Genre ziehen Sie vor?


Allende: Ich bleibe bei der Fiktion, weil sie mir viel mehr Freiheit gibt. Bei Memoiren muss ich mich nicht nur an mein eigenes Leben halten, sondern es kommen weitere Personen dazu, Leute aus meiner Familie. Ich muss sehr respektvoll mit ihren Leben umgehen, weil sie nicht mir gehören. Und wenn ich einen historischen Roman schreibe, muss ich zunächst sehr akkurat recherchieren. Zwar habe ich dann später innerhalb der Fiktion Spielraum, aber wenn es um eine wiedererkennbare Persönlichkeit geht, bin ich festgelegt, muss ich mich eng an das halten, was die Geschichte mir gibt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis eines Krimis?


Allende: Der Erfolg ist die planbare Lektüre. Der Leser weiß, dass es eine sichere Formel gibt. Es ist wie in einem Liebesroman, den die Leute in dem Wissen lesen, dass am Ende alles gut wird. Im Krimi weiß man, dass man alle Hinweise bekommt, unterhalten wird und dass am Ende die Gerechtigkeit siegt.

ZUR PERSON: Isabel Allende wurde 1942 als Tochter eines chilenischen Diplomaten in Peru geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit in Santiago de Chile. Ab Mitte der 60er Jahre arbeitete sie als Journalistin. Nachdem Augusto Pinochet und seine Militärjunta 1973 die Macht in Chile übernommen hatte, floh Allende 1975 mit ihrer Familie nach Venezuela ins Exil. Dort entwickelte sie die Idee zu ihrem ersten Roman "Das Geisterhaus". Er erschien 1982 und wurde 1993 verfilmt.