Neubrandenburg/Klütz - Die Arbeiten des Schriftstellers Uwe Johnson (1934-1984) haben auch 30 Jahre nach dessen Tod nichts an Aktualität verloren.

"Wenn junge Leute heute wissen wollen, wie Menschen in Ost und West getickt haben, sollten sie seine Arbeiten lesen. Auch wenn Johnson kein einfacher Autor war", empfiehlt der Vorsitzende der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft (MLG), Carsten Gansel, aus Neubrandenburg.

Am 23. Februar 1984 starb der aus Pommern stammende Autor in Großbritannien. Im "Jubiläumsjahr 2014" - er wäre 80 Jahre alt geworden - wird mit einer wissenschaftlichen Tagung, mit Filmabenden, literarischen Spaziergängen und dem Uwe-Johnson-Preis an den Autor erinnert.

Der aus Pommern stammende Schriftsteller wird zu den großen Autoren des 20. Jahrhunderts gezählt. In seinem Hauptwerk "Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" schildert er die Geschichte einer mecklenburgischen Familie von der Weimarer Republik, über die NS-Zeit, sowie die Anfänge der DDR bis zum Prager Frühling 1968. Johnson wurde im heute polnischen Cammin geboren, wuchs in Anklam und Güstrow auf, studierte in Rostock und verließ 1959 die DDR. Er lebte in Berlin, New York und zuletzt in England, wo er 1984 starb.

"Johnson gehört zu den am besten erforschten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur", erläutert Gansel, der als Germanistikprofessor an der Universität Gießen lehrt. Gansel hob mit der MLG vor 20 Jahren in Neubrandenburg den Johnson-Literaturpreis aus der Taufe, den unter anderen schon Walter Kempowski und Christa Wolf erhielten, beides Bekannte Johnsons.

Trotz der umfangreichen Forschung erwartet die Uwe-Johnson-Gesellschaft in Rostock noch weitere Erkenntnisse, unter anderem aus dem umfangreichen Briefwechsel des Dichters mit bekannten Zeitgenossen. Er liegt in der Universität Rostock, wie ein Sprecher berichtete. Ab 22. Mai soll es eine internationale wissenschaftliche Tagung zu diesem Briefwechsel geben. Das Motto: "Von Zeit zu Zeit lese ich alles noch einmal. Uwe Johnson und der Kanon."

Den Auftakt zum "Johnson-Jubiläumsjahr" macht am 23. Februar in Klütz (Kreis Nordwestmecklenburg) eine Matinee. Dem kleinen mecklenburgischen Ort setzte der Autor in seinem Hauptwerk "Jahrestage" ein Denkmal. Später sind auch noch literarische Spaziergänge auf den Spuren des Erzählers sowie eine lange Filmnacht am Vorabend seines Geburtstages im Juli geplant. In Klütz erinnert ein Literaturhaus an den Autor.

"Literatur verkörpert ein Gedächtnis", sagt Gansel. Dabei gehe es um Fragen wie Schuld und Zivilcourage, die Johnson in ungeheuer tiefer Weise ansprach. "Schon in einem Aufsatz von 1970 - Versuche, eine Mentalität zu erklären - reflektiert der Dichter über einen DDR-Bürger im Westen", erläutert Gansel. Dieser Text von damals sage viel über das Verhältnis von Ost und West aus, er sei im Grunde eine Vorwegnahme dessen, was nach 1990 lief. Danach fanden sich alle DDR-Bürger im westlichen System wieder. "Aber Johnson schreibt das analytisch auf, nicht moralisierend."