New York - Die Geschichte von Elizabeth George klingt ein bisschen nach Karl May: Da sitzt eine in Ohio geborene Amerikanerin auf einer kleinen Insel vor der Westküste der Vereinigten Staaten und schreibt Krimis über britische Elite-Internate oder die Universität in Cambridge.

Immer wieder nimmt sie die britische Aristokratie aufs Korn, ständig verhandeln ihre Helden die Klassenunterschiede in Großbritannien. Der Grund für die Wahl der Schauplätze ist simpel, wie die Autorin auf ihrer Webseite berichtet: "Ich mag es einfach, über England zu schreiben." Am 26. Februar feiert George ihren 65. Geburtstag.

Ihre beiden bekanntesten Helden hat sie als klassisch-gegensätzliches Ermittlerpaar angelegt. Da ist zum einen der adelige Kriminalkommissar Thomas Lynley, ein Lord, und zum anderen seine aus einfachen Arbeiterverhältnissen stammende Kollegin Barbara Havers. Nach zwei nicht veröffentlichten Versuchen mit anderem Personal schlug der erste Fall dieser beiden 1988 ein wie eine Bombe. George gewann für den Krimi "Gott schütze dieses Haus" zwei amerikanische Mystery-Preise, den Agatha-Award und den Anthony-Award, sowie einen französischen Preis für den besten Krimi-Erstling.

Seitdem folgt nahezu jährlich ein neuer Fall, der zuverlässig die Bestsellerlisten stürmt. Die "New York Times" rief sie zur "Master of British Mystery" aus und die BBC hat 23 Folgen verfilmt, die in Deutschland als "Inspector Lynley" im ZDF liefen.

Anders als viele ihrer Kollegen macht George kein Geheimnis um den Schreibprozess. "Ich stehe um 5 Uhr auf, treibe Sport und setze mich dann ans Schreiben. Ich schreibe fünf Seiten am Tag, fünf Tage pro Woche, bis der Roman fertig ist", erklärte sie in einer Interview-Runde mit Lesern der "Washington Post". Inzwischen gibt George ihr Wissen in Kursen und mit einer eigenen Stiftung für unentdeckte Talente weiter. Man könne zwar die Kunst des Schreibens nicht lernen, aber das Handwerk dafür schon, sagte die Autorin in einem Interview der Webseite Bookpage. "Wenn sie keine handwerkliche Basis haben, dann haben sie auch nichts zum interpretieren."

Und ganz so schlimm wie bei Karl May, der niemals im Wilden Westen der USA war, liegen die Dinge in Georges Fall ohnehin nicht. Seit den Beatles habe sie eine große Leidenschaft für das Land, sie sei unzählige Male dort gewesen, schreibt sie auf ihrer Webseite. Für jedes ihrer immer dicker werdenden Bücher recherchiere sie monatelang vor Ort in England, inzwischen hat sie auch eine Zweitwohnung in London. Und doch komme sie immer wieder auf, die Frage danach, warum ausgerechnet eine Amerikanerin über England schreibt. George selber sieht das lakonisch: "Wenn ich gewusst hätte, wie oft ich diese Frage gestellt bekomme, hätte ich meine Romane irgendwo anders spielen lassen."