Freiburg - Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio kritisiert Äußerungen der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff und widerspricht ihrer Meinung zu künstlich gezeugten Kinder.

Giovanni Maio hält die Aussagen von Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff zu Retortenkindern für völlig unhaltbar. "Sie bringt ein diffuses Unwohlsein zum Ausdruck, kann dieses aber weder richtig formulieren noch richtig begründen", sagte Maio.

Lewitscharoff hatte bei einer Rede gegen künstliche Befruchtung am vergangenen Sonntag (2.März) für einen Eklat gesorgt. Sie bezeichnete Kinder, die so gezeugt wurden, als "Halbwesen". Von diesem Begriff distanzierte sich die Büchnerpreisträgerin inzwischen.

"Das, was sie da gesagt hat, ist nicht nur inhaltlich inakzeptabel, sondern auch auf einem argumentativen Niveau, was dieser Sache letztlich nicht würdig ist", sagte Maio, der an der Universität Freiburg den Lehrstuhl für Medizinethik leitet.

Lewitscharoffs Argumentation, dass im Reagenzglas gezeugte Kinder halb künstlich seien, bezeichnete Maio als vollkommen irrational. "Der Mensch, der durch die künstliche Befruchtung entsteht, ist ja selbst nicht künstlich. Er ist aus den gleichen Keimzellen entstanden wie jeder Mensch, nur dass diese eben nicht im Körper der Frau zusammengekommen sind, sondern außerhalb des Körpers durch technische Verfahren", sagte Maio. Die Schriftstellerin verwechsele hier die Künstlichkeit der Prozesse mit der Künstlichkeit des Menschen. Diese argumentative Schlussfolgerung sei völlig unhaltbar.