München - In der Diskussion um die Äußerungen von Sibylle Lewitscharoff zur künstlichen Befruchtung hat die Berliner Schriftstellerin Judith Schalansky der Autorin eine "ungeheuerliche Hetze" vorgeworfen.

In der "Süddeutschen Zeitung" schreibt Schalansky, "als Kollegin und als lesbisch lebende, schwangere Frau" sei sie geschockt über die Äußerungen der Büchnerpreisträgerin. Ihr Kind sei auf eine Weise entstanden, die Lewitscharoff als "widerwärtig" und "abscheulich" verteufele, betont die 33-Jährige: "Ein Frauenpaar und ein schwuler Mann gründen eine Familie, freuen sich auf ein Kind, um das sie sich gemeinsam kümmern wollen."

Derart entstandene Kinder "Halbwesen" zu nennen, huldige "einem absurden, biologistischen, faschistoiden Natürlichkeitsideal", schreibt Schalansky ("Der Hals der Giraffe"). Lewitscharoff hatte bei einer Rede am vergangenen Sonntag (2. März) in Dresden für einen Eklat gesorgt. Die Büchnerpreisträgerin bezeichnete Kinder, die mit künstlicher Befruchtung gezeugt wurden, als "Halbwesen". Von diesem Begriff distanzierte sich die 59-Jährige inzwischen, hielt aber an ihrer prinzipiellen Ablehnung der Reproduktionsmedizin fest.