Berlin - Sasa Stanisic gilt als ein Shootingstar der deutschen Literaturszene. Mit seinem grandiosen Romandebüt "Wie der Soldat das Grammofon repariert" schaffte es der bosnisch-deutsche Schriftsteller 2006 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Mit seinem neuen Buch "Vor dem Fest" gehört der 35-Jährige jetzt zu den fünf Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse. "Ein Roman als furioser Chorgesang in Prosa", befand die Jury.

Als Stanisic mit 14 nach Heidelberg kam, sprach er kein Wort Deutsch. Im Osten Bosniens aufgewachsen, war er nach der Besetzung seiner Heimatstadt durch serbische Truppen 1992 mit seinen Eltern nach Deutschland geflohen. "Ich habe mich nie gegen die Sprache gewehrt und fand es ziemlich schnell sehr gut, dass ich Deutsch lerne", sagte er einmal.

Ein Lehrer ermuntert ihn, seine anfangs bosnisch geschriebenen Gedichte und Geschichten auf Deutsch zu verfassen. Nach dem Abitur verdient er sich mit Kellnern sein Lehrerstudium in Heidelberg, nach einem Auslandsaufenthalt in den USA hängt er ein Zweitstudium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig an.

Auf Gedichte, Essays und Kurzgeschichten folgt 2006 der große Durchbruch mit seinem stark autobiografisch gefärbten Roman-Erstling "Wie der Soldat das Grammofon repariert". Die Geschichte über ein Kind im Bürgerkrieg auf dem Balkan ist inzwischen in 30 Sprachen übersetzt und mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet.

In seinem neuen Buch "Vor dem Fest" wechselt der Autor radikal die Perspektive. Der Roman um den verschrobenen Mikrokosmos eines kleinen Dorfes spielt unter ehemaligen Ossis in der Uckermark. Der Schriftstellerkollege Maxim Biller warf ihm in der "Zeit" wegen des Themenwechsels Anpassung vor. Für Teile des Manuskripts erhielt Stanisic als "leidenschaftlicher Erzähler" jedoch schon 2013 den Alfred-Döblin-Preis und den Hohenemser Literaturpreis.