Berlin - Katja Petrowskaja fühlt sich im Deutschen noch "minderjährig". Die in der Ukraine geborene Schriftstellerin lebt erst seit 1999 in Berlin.

Dennoch schaffte die 44-Jährige mit ihrem Erzähldebüt "Vielleicht Esther" auf Anhieb die Nominierung für den Leipziger Buchpreis.

Im vergangenen Sommer hatte sie in Klagenfurt mit einem Auszug des Textes bereits den begehrten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Sie schreibe auf Deutsch, weil sie Angst vor der russischen Sprache habe, sagte die schlanke, dunkelhaarige Frau damals. "Ich habe immer das Gefühl von Big Brother."

1970 in Kiew geboren, hatte Petrowskaja ihre Heimat nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verlassen. Sie studierte Literaturwissenschaft und Slawistik in Estland, absolvierte Studienaufenthalte in den USA und promovierte 1998 in Moskau mit einer Arbeit über den russischen Schriftsteller Wladislaw Chodassewitsch.

Kurz darauf zog sie nach Berlin und arbeitet seither für verschiedene russische und deutschsprachige Medien, unter anderem für die "Neue Zürcher Zeitung" und die "taz". Für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schrieb sie seit 2011 die Kolumne "Die west-östliche Diva". Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

In ihrem Buch "Vielleicht Esther" erzählt Petrowskaja die Geschichte ihrer jüdischen Urgroßmutter, die im besetzten Kiew von den Nazis verfolgt und ermordet wurde. "Wunderbar, kraftvoll, locker und leicht gewebt", befand die Jury 2013 bei der Vergabe des Bachmannpreises.

Für sie entwickele sich das Schreiben aus der Unfähigkeit, etwas zu akzeptieren, "aus einer Art Lebensschwäche", sagt die Autorin. "Schreiben ist ein sehr schönes Bedürfnis, manchmal aber auch etwas dann Peinliches - vielleicht wie der Stoffwechsel."