Leipzig - Sie verlegen Bücher mit Titeln wie "Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals", "Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig" oder "Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen".

Sie beschäftigen meist nur eine Handvoll Menschen, bringen wenige Titel pro Jahr in kleinen Auflagen heraus und freuen sich über steigendes Interesse: die unabhängigen Verlage.

"Wir finden immer mehr Leser für unsere Bücher", sagt etwa Verleger Leif Greinus vom sächsischen Verlag Voland&Quist und berichtet von steigenden Auflagen. "Wir leben inzwischen vom Verlag, das konnten wir vor fünf Jahren noch nicht", beschreibt Verleger Daniel Beskos vom Hamburger Mairisch Verlag die Entwicklung für ihn und seinen Kollegen.

Ein Trend, den auch die in Leipzig ansässige Kurt-Wolff-Stiftung als Verband der unabhängigen Verlage bestätigt. "Der Wind weht in unsere Richtung", sagt der Stiftungs-Vorsitzende Stefan Weidle. "Viele Leser sehen inzwischen, dass Großverlage nur noch eine Massenproduktion machen." Leser suchten nach neuen, anderen Büchern und fänden sie häufiger bei den kleinen Verlagen.

Auf diese Programme soll am 22. März der Indiebookday aufmerksam machen. Im Vorjahr startete der vom Mairisch Verlag initiierte Aktionstag, der zum Kauf von Büchern unabhängiger Verlage animieren soll, und fand vor allem in den sozialen Netzwerken rege Unterstützung. "Ich wünsche mir, dass der Indiebook-Day mal so wird wie heute der Valentinstag und für jeden selbstverständlich ist", sagt Erfinder Beskos, der für diese Idee auf der Leipziger Buchmesse mit einem Preis bedacht wurde.

Wie viele seiner 1850 Mitgliedsverlage als unabhängig gelten können, konnte der Börsenverein des deutschen Buchhandels nicht sagen. Die Indies werden statistisch nicht von den Konzernverlagen getrennt, sagte eine Sprecherin. Die Kurt-Wolff-Stiftung vertritt nach eigenen Angaben die 65 wichtigsten Indie-Verlage. Sie listet mehrere Kriterien auf, die für unabhängige Verlage in der Stiftung gelten, unter anderem: keine Konzernabhängigkeit, mindestens vier Neuerscheinungen im Jahr, kein Zuschussverlag und weniger als fünf Millionen Euro Jahresumsatz.

Was Indie-Verlage im Gegensatz zu den Branchengrößen ausmacht? Dort herrsche noch die alte Verlegertradition und das Prinzip "Klasse statt Masse", sagt Weidle. Viele versuchten, weniger Bücher zu produzieren, diese aber dafür besonders liebevoll zu betreuen. "Wenn ich ein Buch publizieren will, das keine große Leserschaft verspricht, dann muss ich nur mich fragen und ich sage meistens Ja", sagt Weidle, der seit 20 Jahren den gleichnamigen Verlag führt.

Das Setzen auf die Nische nennt er als einen Grund, warum die Konzepte der unabhängigen Verlage Erfolg versprechen. Eine solche Nische ist etwa der Schwerpunkt auf Lesebühnen-Autoren, wie ihn sich der Verlag Voland&Quist gesetzt hat. Mehr als 60 Prozent der Titel ließen sich den wortgewandten Schreibern aus der Poetry-Slam- und Lesebühnen-Szene zuordnen, schätzt Verleger Greinus.

Mairisch-Verleger Beskos hat eine weitere Erklärung parat: "Ich glaube, wir profitieren von Bewegungen zu bewussterem Kaufen, seien es regionale Produkte oder die Unterstützung des Händlers in der eigenen Stadt", sagt er. Viel mehr Menschen beschäftigten sich mit der Frage, wie Produkte produziert werden und wer eigentlich dahinter steckt. Das gelte auch für Bücher. "Es gibt eine neue Aufmerksamkeit für Unabhängigkeit", sagt Kristina Wengorz, Lektorin beim Verbrecher Verlag. "Die Skepsis wächst, dass Algorithmen wie "Wenn Ihnen das gefällt, gefällt Ihnen auch das" wirklich alles sind."