Plauen - Die buschigen Augenbrauen und der Riesenschnauzbart des Vaters haben sich den Lesern in Deutschland ebenso eingeprägt wie der kecke Haarschopf des Sohnes.

Seine Vater-und-Sohn-Bildgeschichten machten den Zeichner und Illustrator Erich Ohser aus Plauen im Vogtland (Sachsen) einst bekannt. Der 70. Todestag an diesem Sonntag (6. April) wird dort eher still begangen.

Hohe Nadelbäume umgeben das Grab des Künstlers auf dem Plauener Hauptfriedhof. Gärtner habe gelbe und blaue Stiefmütterchen gepflanzt. Auf dem grauen Grabstein sind auch die bekanntesten Geschöpfe Ohsers - Vater und Sohn - verewigt, wie sie Hand in Hand dem Mond entgegengehen.

Das Bildchen stammt aus der letzten seiner rund 300 Vater-und-Sohn-Bildergeschichten, mit der sich Ohser 1937 von den Lesern der damaligen "Berliner Illustrirten Zeitung" verabschiedet hatte. Jene Cartoons, die der Künstler unter dem Pseudonym e.o.plauen veröffentlichte, ließen ihn vor allem populär werden. Der 1903 im vogtländischen Untergettengrün geborene Ohser hatte in Plauen seine Jugend verbracht.

"Wir werden Blumen hinlegen", verspricht Hansgünter Fleischer vom Vorstand der e.o.plauen-Gesellschaft. "Die Feier von Geburtstagen ist einfacher", räumt die Chefin des Erich-Ohser-Hauses, Elke Schulze, ein. Aus ihrer Feder stammt die neue, 144-seitige Biografie zum Leben des Künstlers. "Es die erste Biografie zu Ohser überhaupt", erläutert Schulze. Der Anlass dafür seien sowohl der 70. Todestag als auch der 111. Geburtstag (18. März) des Künstlers gewesen. Zudem werde im Herbst eine Broschüre zu seinen Lebensstationen in der Region erscheinen.

In der Nacht zum 6. April 1944 nahm sich Ohser während der Untersuchungshaft in Berlin Alt-Moabit das Leben. Er war denunziert worden. Die Gestapo verhaftete ihn und seinen Freund, den Schriftsteller Erich Knauf als "Wehrkraftzersetzer". Zuvor waren die in Berlin ausgebombten Männer bei einer Familie in Kaulsdorf untergekommen und hatten sich dort unter anderem politische Witze erzählt sowie auf das Nazi-Regime und den Krieg geschimpft.

Das wurde ihnen zum Verhängnis. "Die Witze wurden genau mitprotokolliert", erzählt Schulze, die für ihre Arbeit an der Biografie die Prozessakten eingesehen hat. Ohser brachte sich in der Nacht vor Prozessbeginn um. Knauf wurde zum Tode verurteilt und am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Seit 1968 ruht Ohser in der heimatlichen, vogtländischen Erde. Ursprünglich war er in Reichenbach an der Fils (Baden-Württemberg) begraben worden, wo seine Frau Marigard Bantzer mit Sohn Christian nach der Zerstörung der Berliner Wohnung 1943 hingezogen war.

"Die Urne wurde 1968 nach Plauen überführt", erinnert sich Hansgünter Fleischer. "Wir waren gut befreundet und hatten damals mit Angehörigen abgesprochen, dass Ohser mit im Grab der Eltern in Plauen die letzte Ruhe finden sollte." Die Urne kam mit der Bahn - als Sperrgut. Auch Sohn Christian ruht im Familiengrab. Vater und Sohn sind so wieder vereint.

"Wir wollen in diesem Jahr mit mehreren Aktionen an Ohser erinnern", sagt Museumschefin Schulze. Sie wird bei Lesungen Texte aus ihrer Ohser-Biografie Texte vortragen. Wenn die Broschüre mit den Lebensspuren Ohsers erschienen ist, soll es Führungen zu den dort beschriebenen Lebensstätten des Künstlers geben. Die Sonderausstellung "e.o.plauen & Marigard Bantzer - Vom Paradies der Kindheit" zeigt seit Ende März neben Bildern Ohsers Kinderbücher mit Illustrationen Bantzers.

Das Erich-Ohser-Haus in Plauen will dem gesamten künstlerischen Werk Ohsers auch abseits von seinen Vater-und-Sohn-Geschichten wieder mehr Geltung verschaffen. "Er war einer der größten deutschen Zeichenkünstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts", sagt Schulze. Die Sammlung umfasst unter anderem rund 1400 Blätter - Porträts, Tierbilder, Landschaften, Illustrationen, Karikaturen sowie Briefe. Jährlich kommen etwa 8000 Besucher aus aller Welt in das 2010 eröffnete Museum.