Paris - "Ich finde, ich habe nicht genügend Liebhaber gehabt", sagte die Schriftstellerin Régine Deforges noch vor knapp vier Monaten. Im Alter von 78 Jahren ist die Autorin und Verlegerin, die zeitlebens gegen Tabus kämpfte, am Donnerstag an einem Herzinfarkt in Paris gestorben.

Ihren internationalen Durchbruch erlangte die Französin in den 1980er Jahren vor allem mit "Das blaue Fahrrad". In über 20 Sprachen übersetzt, erzählt der Gesellschafts- und Liebesroman die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern zur Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich. Mit über 40 Büchern, die zum Teil wegen Sittenverstoßes zensiert wurden, schrieb sich der Freigeist in die Millionen.

"Das blaue Fahrrad" erregte nicht nur wegen seines Welterfolgs Aufsehen. Es sorgte auch als die "schönste Literaturaffäre der Nachkriegszeit" für Schlagzeilen. Denn Deforges wurde der Vorwurf gemacht, reichlich von dem US-amerikanischen Bestseller "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell abgekupfert zu haben. In dem Prozess verlangten die Mitchell-Erben von Deforges und dem von ihr gegründeten Verlag Ramsay Entschädigung in Millionenhöhe. Die Affäre ging zugunsten der Autorin aus. Die Anschlussromane "101, avenue Henri-Martin" und "Le diable en rit encore" (etwa: Der Teufel lacht noch) ließen weiter die Kassen klingen.

Ihr bewegtes Leben schrieb die am 15. August 1935 in Montmorillon in der Region Poitou-Charentes geborene Autorin in ihren 2013 erschienenen Memoiren "L\'enfant du 15 août" (etwa: Das Kind vom 15. August) nieder. Darin erfährt man, dass sie bereits mit 15 für Aufsehen sorgte. Mitschüler stahlen ihr Tagebuch, in dem sie ihre Gefühle und Liebe zu einem gleichaltrigen Mädchen gestand. Die Eltern waren bestürzt. Deforges musste es verbrennen und flog kurzerhand von der Schule. "Ich habe gehorcht und das in den Ofen geworfen, was mir das Teuerste auf der Welt war. Mein intimes Leben ging in Flammen auf. Ich beschloss, mich zu rächen", gestand sie später.

Ein Schlüsselerlebnis, das die Französin mit der flammend roten Löwenmähne zu einer leidenschaftlichen Feministin werden ließ, die zeitlebens gegen Tabus ankämpfte. Ihre erotischen und pornografischen Bücher wurden teilweise wegen Sittenverstoß zensiert. Doch schrieb sie neben "Contes pervers" (etwa: Perverse Erzählungen) und "L\'Orage" (etwa: Das Gewitter) auch Kinderbücher und Ratgeber zum Sticken und Kochen. Als "Rebellin", wie sie Frankreichs Präsident François Hollande in einer Mitteilung würdigte, geht Deforges nun in die Geschichte der französischen Literatur ein.