Wittlich - Benediktinerpater Anselm Grün (69) schreibt übers Glück, die Lebenskunst und das Älterwerden: Mit seinen theologisch-psychologischen Ratgebern erreicht der Mönch aus der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg zig Millionen Leser.

Rund 300 Werke hat der 69-Jährige bereits verfasst: In einer Gesamtauflage von etwa 16 Millionen Exemplaren und in 30 Sprachen übersetzt.

Fürs Schreiben nehme er sich jede Woche sechs Stunden Zeit, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Am 9. April eröffnet Grün das Eifel-Literatur-Festival in Wittlich. Seine Lesung mit gut 1400 Besuchern ist ausverkauft.

Frage: Sie sind einer der meistgelesenen christlichen Autoren der Welt. Welchen Nerv der Menschen treffen Sie?

Antwort: Ich glaube, ich treffe eine tiefe Sehnsucht der Menschen nach einer gesunden christlichen Spiritualität. Viele haben überall gesucht - auch in Esoterik und sonst wo. Aber eben in einer Sprache, die nicht moralisierend, nicht rein theologisch ist, sondern die sie anspricht, die einfach ist und die nicht bewertet.

Frage: Sie erreichen als Mönch auch Menschen, die mit Kirche nichts zu tun haben.

Antwort: Ich denke, die wissen, dass ich eine christliche Botschaft verkünde, aber nicht so missionarisch "Du musst glauben", sondern als Angebot, dass sie mit der Weisheit ihrer eigenen Seele in Berührung kommen. Und in einer Sprache, wo die Menschen spüren "Das ist eine Hilfe für mich". Aber keine so billige Lebenshilfe, wie es sie in manchen Ratgeberbüchern gibt, sondern als einen Weg, wie wir erst einmal uns selbst annehmen können mit allem, was in uns ist.

Frage: Sie geben auch Kurse für Manager. Was suchen sie bei Ihnen?

Antwort: Das sind zwei Dinge: Einmal merken sie, dass nur die Orientierung am Geld nicht weiterhilft. Denn sie suchen Werte. Wie können sie ihre Firma wertvoll machen mit Werten? Eine Firma ohne Werte wird wertlos. Und das Zweite ist persönliche Hilfe: Wie kann ich in dieser Welt, wo immer mehr Druck ist, bestehen, ohne erdrückt zu werden und ohne auszubrennen.

Frage: Was sagen Sie ihnen? Wie kann man im Turbo-Stress überleben?

Antwort: Dass ich aus einer inneren Quelle schöpfe. Für uns Christen ist das die Quelle des Heiligen Geistes. Und nicht aus trüben Quellen wie Perfektionismus, wie mich ständig unter Druck setzen, mich ständig beweisen müssen. Auch Rituale sind eine wichtige Hilfe: Rituale schließen eine Türe und öffnen eine Türe. Ich muss die Tür der Arbeit schließen können, damit ich dort bin, wo ich gerade bin.

Frage: Sie sind ja auch oft im Stress. 300 Bücher, 200 Vorträge im Jahr. Welches Ritual nutzen Sie zum Abschalten?

Antwort: Ich habe das Leben im Kloster. Die ersten drei Stunden am Morgen sind Stille und Gebet. Das eine ist das Abschalten und das Ritual, dass ich am Abend meinen Tag noch einmal Gott hinhalte in einer kurzen Gebärde. Aber das andere ist auch die Einstellung: Ich bin nicht im Stress, wenn ich mich nicht unter Druck setze.

Frage: Ist es richtig, dass Sie immer am Dienstag- und Donnerstagsmorgen und am Sonntagsnachmittag Bücher schreiben?

Antwort: Ja, das ist so normal die Zeit. Manchmal komme ich am Morgen nicht dazu. Aber sechs Stunden die Woche versuche ich zu haben.

Frage: Seit Oktober 2013 sind Sie nicht mehr wirtschaftlicher Leiter im Kloster Münsterschwarzach. Haben Sie nun mehr Zeit?

Antwort: Ich mache noch die Geldgeschäfte weiter für meinen Nachfolger. Viel Zeit bleibt da nicht. Ich habe auch viele Mails zu beantworten und Kurse zu halten. Viel weniger ist es nicht geworden.

Frage: Sie sind mit Ihren Millionenauflagen sicher ein reicher Mann. Leisten Sie sich auch mal was?

Antwort: Ich brauch kein Geld. Ich habe auch keine Privilegien gegenüber den anderen. Natürlich, wir kriegen das Essen. Wenn ich eine Seife brauch, gehe ich zum Hausmeister und so weiter. Aber ich kauf mir normalerweise gar nichts. Ich brauche kein Geld unterwegs.

Frage: Sie sind ja ein Star des Eifel-Literatur-Festivals. Ihre Lesungen sind immer ausverkauft. Was bedeutet das Festival Ihnen?

Antwort: Da ist immer eine gute Atmosphäre, also ich komme da immer gerne. Und ich habe beim Eifel-Festival schon das Gefühl, dass da sehr interessierte Zuhörer sind.

Frage: Ist das Festival etwas Besonderes für Sie, weil Ihre Eltern aus der Eifel stammen?

Antwort: Ja, meine Mutter stammt ja aus Dahlem. Und da habe ich natürlich viel mitbekommen und die hat bis zum Lebensende immer noch das Eifeler Platt gesprochen, nicht das Münchner, obwohl sie ja 60, 65 Jahre in München dann gewohnt hat.

Frage: Bei all den Ratgebern, die Sie schreiben: Sind Sie selbst manchmal ratlos?

Antwort: Für mich selber weiß ich schon immer Wege. Ich schreibe meine Bücher auch für mich selber. Dass ich nicht immer selbst dem entspreche, und dass ich auch immer mir das wieder selbst sagen muss, das ist auch klar.

ZUR PERSON: Anselm Grün ist am 14. Januar 1945 im fränkischen Junkershausen geboren und in München aufgewachsen. Mit 19 Jahren trat er in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein. Nach seinem Studium der Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaftslehre war er von 1977 bis 2013 wirtschaftlicher Leiter des Klosters - und für rund 300 Mitarbeiter zuständig.