Bukarest - Nina Cassian, als "Grande Dame" der rumänischen Poesie gefeierte Dichterin, Malerin und Komponistin, ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in New York.

Das berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax am Mittwoch unter Berufung auf die Familie der Künstlerin. Cassian war für ihre surrealistisch beeinflusste, sinnlich-intellektuelle Lyrik und für ihren bohèmehaften Lebenswandel in Rumänien berühmt.

Am 27. November 1924 im ostrumänischen Galati als Renée Annie Cassian in einer jüdischen Familie geboren, war sie schon als 16-Jährige Mitglied der damals verbotenen Kommunistischen Partei. Ihr Debüt 1947 mit avantgardistischen Versen erntete harsche Kritik der damaligen kommunistischen Machthaber. Deswegen publizierte sie später zeitweise regimetreue Gedichte. Damit brach sie 1956 und entwickelte den ihr eigenen Stil, der ihr das Prädikat einer "Verführerin" einbrachte.

Ab 1985 lebte sie in den USA. Cassian hat mehr als 50 Gedichtbände veröffentlicht. Einige Gedichte sind auch in englischer, italienischer und deutscher Übersetzung erschienen. Als bedeutendes Zeitdokument gilt ihre rumänisch erschienene dreibändige Autobiografie.