Abu Dhabi/Berlin - Dem deutschen Autor Jörg Albrecht (32) fehlen klare Hinweise auf ein Ende seines Zwangsaufenthalts im arabischen Emirat Abu Dhabi. Er werde von den Behörden im Dunklen gelassen, wann er ausreisen dürfe, sagte Albrecht zu "Zeit Online" am Montag.

"Ich werde hier gehalten, ohne Informationen." Das Gericht habe ihm zu verstehen gegeben, dass er sich noch eine Woche gedulden müsse. Unterdessen appellierten Schriftsteller und Künstler an das Kulturministerin von Abu Dhabi, Albrecht sofort ausreisen zu lassen.

Der Zeitung "Die Welt" (Dienstag) sagte Albrecht, er wisse, dass die deutsche Botschaft in Abu Dhabi alles für ihn unternehme. "Wir setzen jetzt aber auch auf die Öffentlichkeit und appellieren an die deutsche Regierung. Vielleicht kann man ja auf einer anderen Ebene noch was machen", sagte der Schriftsteller. "Ich bin hier eingeladen worden, dachte, ich bleibe vier Tage. Es ist so, als wäre ich zu einem Fest in ein Haus eingeladen und könnte nie wieder aus diesem Haus raus", sagte Albrecht der "Welt".

Der in Bonn geborene Autor ("Beim Anblick des Bildes vom Wolf") war als Gast zur Buchmesse in Abu Dhabi gekommen. Am 1. Mai habe er zwei Gebäude fotografiert. Kurz danach sei er festgehalten und unter Spionageverdacht drei Tage inhaftiert worden. Dabei habe er erfahren, dass er die Botschaften von Irak und Iran abgelichtet hatte. Am 4. Mai kam Albrecht nach Angaben des Wallstein Verlags (Göttingen) auf Kaution frei und lebt seitdem im Hotel.

"Mir ist ja auch klar, dass ich gegen hiesiges Gesetz verstoßen habe", sagte Albrecht. Normalerweise gebe es für Ausländer in solchen Fällen eine Geldstrafe, meinte er in "Zeit Online". Seine Geduld sei langsam am Ende. "Ich lebe in einem Kafka-Roman."

In einem Offenen Brief forderten Autoren, Künstler und Freunde Albrechts, den Schriftsteller die Ausreise zu ermöglichen. Es müsse auch im Interesse Abu Dhabis sein, den guten Ruf der Buchmesse zu erhalten, hieß es in dem Internet-Aufruf, den unter anderem der Autor Martin Walser, der Filmregisseur Christian Schwochow und der Schauspieler Edgar Selge unterschrieben haben.