Bremen - "Trompetennasenhund", "Kleider aus Kuckuck" und "Orden auf der Taubenbrust der Generäle" - mit eigenwilligen Wortcollagen hat Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller am Freitag das Festival "poetry on the road" eröffnet.

Bei der einstündigen Aktion im Theater Bremen erklärte die 60-Jährige, wie sie Wörter aus Zeitschriften und Zeitungen schneidet, diese Schnipsel hin- und herschiebt, um sie dann in Ansichtskartengröße neu zusammenzusetzen. "Ich lache, wenn ich das mache, auch wenn die Dinge nicht harmlos sind", bekannte Müller. Sie sei davon geradezu besessen.

Die Wortcollagen aus ihrem Buch "Vater telefoniert mit den Fliegen" waren im Großen Haus in einer großen Projektion zu sehen. Die schwarz gekleidete Schriftstellerin las sie vor, mit dabei Sätze wie "Der Tod ist eine schmale kahle Meterware." Während die in Rumänien aufgewachsene Autorin in Romanen wie "Atemschaukel" die finsteren Seiten von Verfolgung und Hilflosigkeit in der Zeit von Diktator Nicolae Ceauescu verarbeitet, wirkt die Wortakrobatik ihrer jüngsten Collagen oftmals leichtfüßig und humorvoll.

Das Festival "poetry on the road" der Hochschule Bremen und des Senders Radio Bremen stellt bis zum Montag (26. Mai) 26 Schriftsteller aus 19 Nationen vor, darunter Hans Magnus Enzensberger, Ulla Hahn und den Ukrainer Ilya Kaminsky.