Kiel - Der frühere DDR-Autor Günter Kunert (85) erhält den mit 20 000 Euro dotierten Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein. Der gebürtige Berliner zählt zu den bedeutenden deutschen Lyrikern der Gegenwart. Er lebt seit mehr als 30 Jahren im Kreis Steinburg in der Nähe von Hamburg.

Kunert sei ein außerordentlich engagierter und streitbarer Schriftsteller, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Montag zur Zuerkennung. Trotz seines hohen Alters sei er bis heute sehr produktiv und bringe sich in die Diskussion über das gesellschaftliche Engagement von Künstlern mit ein.

Der Förderpreis (5000 Euro) geht an die 1989 in Basel geborene Schauspielerin Maxine Kazis vom Kieler Theater. Albig überreicht den alle zwei Jahre vergebenen Preis im Herbst in Kiel.

Zahlreiche Lyrikbände, aber auch Prosa - darunter seine Autobiografie ("Erwachsenenspiele", 1997) sowie Essays und Reisebeschreibungen hat Kunert geschrieben. Zum 85. Geburtstag brachte der Hanser Verlag im Frühjahr den Band "Fortgesetztes Vermächtnis" mit Gedichten seit der Jahrtausendwende heraus.

Seine Erfahrungen als Gastprofessor für DDR-Literatur an der Universität Texas in Austin verarbeitete der Autor in dem Amerika-Report "Der andere Planet" (1974). Hörspiele und Drehbücher sowie eigene Illustrationen gehören zum vielseitigen Werk. Hochkarätige Ehrungen hat Kunert erhalten, darunter den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, den Hölderlin-Preis und den Georg-Trakl-Preis .

Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 brach Kunert, in jungen Jahren überzeugter Sozialist, endgültig mit dem SED-Regime in der DDR. 1979 konnte er in den Westen übersiedeln.

Der Kunstpreis des Landes wird an Künstler verliehen, die in Schleswig-Holstein geboren sind, im Lande wirken oder für das Land eine besondere Bedeutung haben. Zu den Preisträgern gehören Detlef Buck, Feridun Zaimoglu und Elsbeth Arlt.