Lübeck/Budapest - Die "Stiftung zugunsten des Romavolks" von Günter und Ute Grass hat dem ungarischen Menschenrechtler Jen Zsigó (61) den Otto-Pankok-Preis zuerkannt. Die Auszeichnung ist mit 15 000 Euro dotiert.

Mit dem Preis werde das Lebenswerk Zsigos gewürdigt, teilte das Sekretariat des Literaturnobelpreisträgers am Donnerstag in Lübeck mit. Zsigó war Gründer und langjähriger Direktor der Einrichtung Romano Kher in Budapest sowie Vorsitzender des ungarischen Roma Parlaments. Den Förderpreis (5000 Euro) erhalten die Kunsthistorikerin Tímea Junghaus und die Gallery8 in Budapest.

Grass wird die Auszeichnungen am 22. Juni im Lübecker Rathaus überreichen. Laudator ist Moritz Pankok, Großneffe Otto Pankoks und Leiter der Galerie für Kunst der Roma Kai Dikhas in Berlin. 1997 hatten Grass und seine Frau die Stiftung gegründet.

Zsigó stammt aus einer Familie von Roma-Musikern. Er ist Soziologe und Pädagoge. Seit den 1980er Jahren sei er "ein unabhängiger und engagierter Sprecher für politische und kulturelle Angelegenheiten der Roma in Ungarn" gewesen, würdigte die Stiftung.

Als Direktor des Romano Khers und dessen Nachfolgers, des Romakultur- und Bildungszentrums in Budapest von 1987 bis 2010, habe er Feriencamps für Romakinder, Sommerlager und Ausstellungen für Romakünstler sowie Musikkurse für junge Roma-Musiker organisiert und das erste Stipendienprogramm für junge Roma ins Leben gerufen.

Während seiner Leitung habe das Romano Kher die größte europäische Sammlung von Romakunst zusammengetragen, betonte die Stiftung. Zsigó ist Herausgeber zahlreicher Roma-Fachbücher, Kunstalben und belletristischer Titel.

1990 war Zsigó Mitbegründer des ungarischen Roma Parlaments, "jener unabhängigen Organisation, die später zum kulturellen Zentrum der Roma in Budapest und ganz Ungarn wurde und zahlreichen Roma-Intellektuellen und -Kollektiven Räumlichkeiten und Infrastruktur bot". Seit 2010 seien die Aktivitäten und die Existenz des Roma Parlaments immer wieder aus teils politischen, teils finanziellen Gründen bedroht gewesen, so die Stiftung. 1995 startete Zsigó die Roma-Akademie, an der er auch lehrte.

Die Gallery8-Roma Contemporary Art Space, zu deren Gründern Tímea Junghaus zählt, wurde 2013 im 8. Bezirk, der hauptsächlich von Roma bewohnt ist, eröffnet und hat es sich zur Aufgabe gemacht die Kunst und Kultur der Roma zu stärken. Junghaus kuratierte den ersten Romapavillon der 52. Biennale von Venedig 2007 und sie gründete 2010 das Roma Hip Hop Archiv. Junghaus forscht am Institut für Kunstgeschichte der Budapester Loránt Eötvös Universität.

Der zum fünften Mal verliehene Otto-Pankok-Preis erinnert an den gleichnamigen Künstler (1893-1966), dessen Schüler Günter Grass von 1948 bis 1952 an der Kunstakademie in Düsseldorf war. Bisherige Preisträger sind die Publizistin und Filmemacherin Melanie Spitta, der aus dem Kosovo stammende Arzt Ibrahim Hasani, das Kieler Sinti-Mediatorinnen-Modell und zuletzt 2009 die niederländische Menschenrechtlerin und Sintezza Lalla Weiss.