Frankfurt/Main - Die Krimi-Bestsellerautorin Nele Neuhaus will keine Literatur schreiben. Die 46-Jährige möchte auch im ersten klassischen Roman "Sommer der Wahrheit" einfach nur unterhalten. Das Buch sieht sie als "Versuchsballon".

Den Vorwurf, sie bediene Klischees, lässt sie nicht gelten. "Tatsächlich sind die Erfolgreichen interessanter als der Durchschnittsbürger", sagt sie im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Der Erfolg habe sie - Neuhaus hat sich 2011 nach fast 25 Jahren von ihrem Ehemann getrennt - persönlich nicht verändert.

Frage: Nach Krimis und Jugendbüchern legen Sie jetzt erstmals mit "Sommer der Wahrheit" einen klassischen Roman vor. Reizt Sie die große Literatur?

Antwort: Ich habe nicht den Anspruch, Literatur zu schreiben. Ich möchte die Leute einfach unterhalten. Als Autorin schreibe ich für Menschen wie mich, die gerne lesen und nicht die Worte auf die Goldwaage legen. Ich selbst kann 700-Seiten-Romane in zwei Tagen verschlingen.

Frage: Ist der neue Roman für Sie auch eine Art Versuchsballon?

Antwort: Ein bisschen schon. Es ist ein komplett anderes Genre und bietet mir die Möglichkeit, mich neu aufzustellen. Wenn das Buch bei meinen Lesern gut ankommt, könnte ich mir vorstellen, wieder einen Roman zu schreiben. Die Arbeit an einem Roman ist ganz anders. Am neuen Taunus-Fall, der zur Frankfurter Buchmesse im Oktober auf den Markt kommt, habe ich über ein Jahr gearbeitet, bis alle Stränge gestimmt haben.

Frage: Kritiker bemängeln, dass Sie in Ihren Büchern gerne Klischees reproduzieren. Trifft Sie das persönlich?

Antwort: Klischees sind nur deshalb Klischees, weil sie so oft zutreffen. Mir wird gelegentlich in den Taunus-Krimis vorgeworfen, die Reichen seien immer die Bösen. Tatsächlich sind die Erfolgreichen interessanter als der Durchschnittsbürger und ein erfolgreicher Mensch, der etwas Falsches tut, hat nun einmal eine viel dramatischere Fallhöhe.

Frage: Sie haben in wenigen Jahren mit ihren Krimis weltweit riesige Auflagen erzielt. Wie hat der Erfolg Sie verändert?

Antwort: Ich kann jetzt vom Schreiben leben - ich konnte also mein liebstes Hobby zum Beruf machen. Ansonsten habe ich mich als Mensch überhaupt nicht verändert. Dafür ist mein Erfolg auch viel zu spät gekommen. Ich bin, denke ich, einfach auch gut geerdet.

Frage: Mitten in Ihrem Erfolg haben Sie einen privaten Einschnitt erlebt. Sie haben sich 2011 nach fast 25 Jahren von Ihrem Ehemann getrennt...

Antwort: Das hat nicht unbedingt primär etwas mit meinem Erfolg zu tun, sondern ist vielleicht eher ein Generationenproblem. Mein Mann, ein erfolgreicher Unternehmer und Amateur-Springreiter, war 20 Jahre älter als ich. Meine Schreiberei war ihm immer ein bisschen suspekt und er wollte keine Veränderung.

Frage: Sie haben in Ihrem Leben hart gearbeitet - im Betrieb Ihres Mannes und dann noch nebenher beim Schreiben. Haben Sie nicht das Gefühl, einiges verpasst zu haben?

Antwort: Alles was geschehen ist, hat seinen Grund gehabt und war letztendlich gut. Ich habe bei meinem Ex-Mann Disziplin und Durchhaltevermögen gelernt. Das war eine harte Schule, die mir aber auch zu einer großen Gelassenheit verholfen hat. Als ich eine schwere Krankheit hatte, habe ich außerdem festgestellt, dass man manche Sachen einfach hinnehmen und nicht damit hadern muss. Dies zu akzeptieren, ist letztlich das Geheimnis der Zufriedenheit.

ZUR PERSON: Schon im Alter von etwa fünf Jahren hat Nele Neuhaus ihre erste Geschichten aufgeschrieben. Später bekam sie von ihren Eltern eine Reiseschreibmaschine geschenkt. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie dann aber erst 2005 sozusagen im Eigenverlag. Die 46-Jährige lebt mit ihrem Lebensgefährten und Hund im Vordertaunus bei Frankfurt.