Abuja - Als Wole Soyinka 1986 der Literaturnobelpreis zugesprochen wurde, war das für ihn nicht nur eine "Überraschung", sondern geradezu ein "Schock", wie er Jahre später in einem Interview bemerkte.

Schließlich war der Nigerianer mit der ausgeprägten Passion für das politische Geschehen in seiner Heimat der erste Afrikaner, dem diese Ehre zuteilwurde. In der Begründung hieß es, Soyinka gestalte "in breiter kultureller Perspektive und mit poetischen Obertönen das Drama der menschlichen Existenz". Am Sonntag (13. Juli) wird das Multitalent mit der weißen Haarmähne und dem markanten Bart 80 Jahre alt.

Die Nobelpreisverleihung nutzte der Schriftsteller zu einer flammenden Rede gegen die Apartheid in Südafrika - und widmete sie dem damals noch inhaftierten südafrikanischen Freiheitskämpfer und späteren Präsidenten Nelson Mandela.

Ebenso zuwider war ihm die britische Kolonialherrschaft in seiner Heimat, unter der er aufgewachsen war. "Der Mensch stirbt in all jenen, welche schweigen angesichts von Tyrannei", lautet eines seiner berühmtesten Zitate. Ein Schreiber ist Soyinka, ein Poet, der die afrikanischen Erzähltraditionen wie kaum ein anderer mit europäischen Einflüssen zu verbinden weiß. Aber er ist auch ein politischer Rebell und ein mutiger Verfechter der Menschenrechte.

Für seine Überzeugungen musste er während des nigerianischen Bürgerkriegs im Jahr 1967 sogar ins Gefängnis: "Ich verbrachte ein Jahr und zehn Monate in Einzelhaft und war mir der Tatsache bewusst, dass versucht wurde, meinen Geist zu zerstören, indem man mir Bücher und die Möglichkeit zum Schreiben vorenthielt." Er habe sich mit mathematischen Problemen und Algebraformeln beschäftigt, um die geistige Leere zu überwinden, erzählte er später. Seine Erfahrungen während der Gefangenschaft verarbeitete er in dem Buch "Der Mann ist tot: Gefängnisvermerke".

Jedoch ließ sich Soyinka nicht einschüchtern und machte seinem Ärger über afrikanische Missstände weiter Luft, nicht nur in den 1990er Jahren während der Militärdiktatur von General Sanni Abacha in Nigeria, sondern auch bezüglich des despotischen Regimes von Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe. Während Abachas Schreckensherrschaft floh der Autor auf einem Motorrad aus Nigeria und lebte bis 1999 für mehrere Jahre im Exil vor allem in den USA. Auch später bekleidete er dort Gastprofessuren - unter anderem an den Elite-Universitäten Harvard und Yale.

Akinwande Oluwole "Wole" Soyinka wurde am 13. Juli 1934 als zweites von sechs Kindern in Abeokuta im Südwesten Nigerias geboren. Die christliche Yoruba-Familie lebte in einfachen Verhältnissen, der Vater arbeitete als Rektor an einer Volksschule. Aber die Eltern ermutigten den jungen Wole und seine Geschwister stets, zu lernen und zu lesen, um ihnen die Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen. "Meine Eltern bemerkten früh, dass ich Bücher liebte", erinnerte er sich später. "Sie machten uns verständlich, wie wichtig eine gute Erziehung ist - und betonten, dass wir dafür verantwortlich seien, soviel zu lernen wie nur eben möglich."

Ab Anfang der 1950er Jahre besuchte er in Ibadan, der drittgrößten Stadt des Landes, die dortige Hochschule. Anschließend zog er nach Großbritannien und schrieb sich im Fach Englische Literatur an der Universität von Leeds ein. Nach Erfahrungen als Schauspieler und Dramaturg in London kehrte er in seine Heimat zurück und lehrte an mehreren Universitäten.

Bereits Ende der 1950er Jahre schrieb Soyinka erste Hörspiele und Theaterstücke, darunter die Komödie "Der Löwe und die Perle". Es folgten Dutzende Bühnenstücke, in denen der Autor traditionelle Theaterstoffe etwa der Antike in ein afrikanisches Umfeld setzte. Zudem verfasste er Tragödien und Essays sowie Gedichtbände und Romane, wie "Die Ausleger" (1965) und "Zeit der Gesetzlosigkeit" (1973). 1986 erschien die Autobiografie "Aké, Jahre der Kindheit", der mehrere weitere Erinnerungen aus seinem bewegten Leben folgten, wie etwa "Isarà. Eine Reise rund um den Vater" und "Ibadan. Streunerjahre".

Trotz seines Alters scheint Soyinka des Aktivismus nicht müde geworden zu sein. Erst 2007 hatte er lautstark das Ergebnis der damaligen Präsidentschaftswahlen angezweifelt und offen von Betrug gesprochen. Drei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei "Demokratische Front für einen Bund des Volkes" (DFPF) gewählt. Erklärtes Ziel: Nigeria sollte in ein demokratischeres und korruptionsfreies Land umgewandelt werden. Nigeria darf gespannt sein, was der Rebell Soyinka für die Zukunft noch parat hält.