Odense - Ein extrem gefühlvoller Brief des Dichters Hans Christian Andersen, in dem er einem Freund seinen Liebeskummer beichtet, ist im dänischen Odense aufgetaucht.

Das Schriftstück sei über eine Erbschaft in die Hände der Stadtmuseen gelangt, sagte der Kurator des Hans-Christian-Andersen-Museums, Ejnar Stig Askgaard, am Donnerstag dpa. Andersen habe darin seinem Studienfreund Christian Voigt sein Herz über seine unerfüllte Liebe zu dessen Schwester Riborg ausgeschüttet. Der Autor des berühmten Märchens "Die kleine Meerjungfrau" habe den Brief wahrscheinlich um Weihnachten 1832 geschrieben, kurz nachdem Riborg einen anderen geheiratet hatte.

An der Echtheit des Briefs hatte Askgaard zu keinem Zeitpunkt Zweifel. "Ich kenne seine Handschrift", sagte er. Trotzdem sei der höchst emotionale Brief ungewöhnlich für Andersen, der fast nie über seine Gefühle geschrieben habe. "Er hatte Angst, weil er einen Skandal befürchtete." Denn Riborg vermutete, dass einige von Andersens Gedichten von ihr handelten. Das bestritt der Dichter im Brief vehement und bat seinen Freund, das Schriftstück nach dem Lesen zu zerstören. "Heute ist es sehr offensichtlich, dass er über sie geschrieben hat", sagte Askgaard, und "dass er die junge Frau sehr geliebt hat". Ihr Leben lang hätten die beiden aneinander gedacht. Nun wird der Brief an Riborgs Bruder in Odense ausgestellt.