New York - Mit einer Detektivgeschichte über den Ursprung des Universums und des menschlichen Seins hat es der Autor Jim Holt (59) in den USA überraschend zum Bestseller gebracht.

Gerade ist "Gibt es alles oder nichts? Eine philosophische Detektivgeschichte" auch in Deutschland erschienen. Der Schlüssel zu seinem Erfolg sei vor allem Humor, sagt Holt im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa und verrät, was seine Leser bislang am meisten bewegt hat und wovon sein nächstes Buch handeln wird.

Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine philosophische Abhandlung als Detektivgeschichte aufzuziehen?

Antwort: Das war schon immer eine Leidenschaft von mir. Ich habe mich schon immer für Philosophie und Wissenschaft interessiert und lese viele Gedichte und das kam dann irgendwie in meinem Kopf alles zusammen und hat mich dazu inspiriert, diese Frage zu stellen, die ja als tiefgreifendste und weitgehendste angesehen werden kann, die man überhaupt stellen kann. Es schien mir eine wundervolle Möglichkeit zu sein, mich mit vielen Forschern zu unterhalten und laut zu denken. Als ich angefangen habe zu schreiben, dachte ich, dass es sicher ein paar Leser interessieren wird, aber nicht so wahnsinnig viele. Aber dann wurde mir klar, dass das auch im Fernsehen diskutiert wird und die Frage die Menschen einfach bewegt.

Frage: Was war die größte Überraschung während Ihrer Recherche?

Antwort: Auf den ersten Blick habe ich gedacht, dass es eine Erklärung geben muss, warum das Universum existiert und dass die Wissenschaft mir damit helfen kann. Aber auch die bedeutendsten Physiker stoßen da an ihre Grenzen und müssen dann auf Philosophie zurückfallen.

Frage: Haben Sie am Ende eine zufriedenstellende Antwort bekommen?

Antwort: Ja. Ich habe aber zuerst herausgefunden, dass die Ursprungsfrage nicht die richtige war. Während der Recherche und der Interviews bin ich dann zu einer besseren Frage gewechselt, nämlich: Warum nimmt die Realität die Form an, die sie hat? Und da hat sich dann gegen Ende des Buches eine Antwort abgezeichnet. Die ist noch nicht das letzte Wort, aber vielleicht das erste.

Frage: Hat es Sie überrascht, dass ein Buch über so ein komplexes philosophisches Thema ein Bestseller geworden ist?

Antwort: Ich schreibe für Magazine viel über Philosophie und das kommt eigentlich immer ganz gut an, also nein, nicht wirklich. Aber was ist schon ein Bestseller? Ich habe vielleicht 160 000 Exemplare auf Englisch verkauft. Das ist großartig und hat alle begeistert, aber ich versuche eben über die Dinge mit Humor zu schreiben und so unbeschwert wie ich kann. Einige Dinge in diesem Buch sind etwas komplizierter und wenn ich gewusst hätte, wie gut es sich verkaufen würde, hätte ich die vielleicht weggelassen, aber insgesamt denke ich, dass ich diese Ideen unterhaltsam machen kann. Ich habe Berge von Leserpost bekommen. Viele wollen mir ihre eigenen Theorien mitteilen, aber einige kommentieren auch nur, dass es sie überrascht hat, wieviel Alkohol ich in dem Buch trinke - ich dachte, das wäre ein völlig normales Maß.

Frage: Arbeiten Sie schon wieder an einem neuen Buch?

Antwort. Klar. Dieses handelt vom freien Willen, von Selbstbetrug und Glück - also all dem, was in das letzte Buch nicht mehr reingepasst hat.

ZUR PERSON: Der New Yorker Autor Jim Holt wurde am 30. Oktober 1954 geboren. Er schreibt nach Angaben des Rowohlt Verlages über Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften vor allem für die New York Times Book Review und die New York Review of Books.