Odense - Sein Auftreten ist immer noch etwas Besonderes: An diesem Sonntag reist der britisch-indische Autor Salman Rushdie nach Dänemark, um einen Literaturpreis entgegenzunehmen.

Kronprinzessin Mary überreicht dem scheuen Schriftsteller den Hans-Christian-Andersen-Preis, den wichtigsten, den das kleine Land zu vergeben hat. Rushdie hat sein Erscheinen angekündigt. Das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Denn seit den Todesdrohungen gegen ihn hatte der Autor die Öffentlichkeit lange gemieden und war nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen aufgetreten.

Vor 25 Jahren hatte sein als islamkritisch gesehenes Buch "Die satanischen Verse" den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini dazu veranlasst, Rushdie in einem international kritisierten Akt zum Tode zu verurteilen. Die "Fatwa", in der islamischen Welt ein von einem Gelehrten erstelltes Rechtsgutachten - in Rushdies Fall die Entscheidung Khomeinis -, war zwar 1998 aufgehoben worden. Doch die Angst blieb noch jahrelang.

Heute will sich der 67 Jahre alte Schriftsteller nicht mehr verstecken, und nimmt deshalb auch den Andersen-Preis im dänischen Odense persönlich entgegen. Die Auszeichnung bekommt er als "unvergleichlicher Erzähler", der die Weltliteratur bereichere, indem er von der Bedeutung des Reisens und der Begegnungen erzähle, erklärte die Jury. Der Preis ist mit 500 000 Kronen (etwa 67 000 Euro) dotiert. Zuletzt hatte ihn die Chilenin Isabel Allende 2012 bekommen. Rushdie erhält in diesem Jahr auch den englischen Pen-Pinter-Preis, den er bei einer Zeremonie im Oktober entgegennehmen soll.