Hamburg - Nach Einschätzung des Schriftstellers Peter Härtling bemuttern Eltern ihre Kinder oft zu sehr - und verlangen auf der anderen Seite zu viel von ihnen.

"Die Kinder werden übermäßig geschützt, aber sie werden vor allem getrieben: Mach das! Sei das! Heute Tennis, morgen Schach", sagte der 80-Jährige im Interview mit dem Magazin Nido.

Obwohl der größte Teil der Erziehungsarbeit immer noch an den Müttern hänge, sei auf die jungen Väter halbwegs Verlass. "Ich stelle fest, dass die Väter in meinem Umfeld aufs Eindrucksvollste das tun, was ich nicht getan habe: Sie kümmern sich um die Kinder, sie wickeln und füttern, sie springen in der Nacht ein, wenn die Kinder schreien und wenn die Kinder krank sind."

Er habe als Kind kein gutes Verhältnis zu Erwachsenen gehabt, sagte er. "Erwachsene waren für mich das Allerletzte. Weil ich merkte, dass sie politisch verlogen waren. Dass sie wegdrückten, wofür sie gelebt und gestritten hatten." Härtling ist selbst Vater von vier Kindern.

Seine Töchter und Söhne seien auch daran schuld gewesen, dass er anfing, neben Literatur für Erwachsene Kinderbücher zu schreiben. "Ich war so enttäuscht von den Büchern, die meine Kinder lasen. Ponymädchenbücher! Und die endlosen Hannis und Nannis. Furchtbar."