Frankfurt/Main - Vier Männer und zwei Frauen stehen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Und gleich zwei Romane, die sich zumindest teilweise mit der DDR beschäftigen.

Angelika Klüssendorf setzt mit "April" die sehr unsentimentale Geschichte eines Mädchens fort, das in Leipzig aufwächst und in den 1980er Jahren im Westen landet. Dafür steht Klüssendorf nach 2011 zum zweiten Mal im Finale des Wettbewerbs, der am 6. Oktober den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszeichnet.

Ihre erneute Nominierung durch die Kritikerjury ist also nicht unbedingt eine Überraschung. Der zweite DDR-Roman, Lutz Seilers "Kruso", dürfte im Finale aber die besseren Chancen haben. Erst vor wenigen Tagen erschienen, wird die auf der Ostseeinsel Hiddensee spielende Wendezeit-Parabel mit einem Abwäscher als Helden bereits in den Feuilletons gefeiert. Der "Spiegel" hat sogar einen "proletarischen Zauberberg" ausgemacht.

Es ist der erste Roman Seilers, der bisher als Lyriker und Erzähler hervortrat. In den vergangenen Jahren haben bereits zwei DDR-Gesellschaftsromane - Uwe Tellkamps "Der Turm" und Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts" - den Deutschen Buchpreis erhalten. Beide wurden große Verkaufserfolge.

Einiges Geraune in der Branche gab es in den vergangenen Wochen auch um Thomas Hettches "Pfaueninsel", der es nach 2006 zum zweiten Mal auf die Shortlist geschafft hat. In seiner historischen Fabel erzählt er aus der Sicht einer Zwergin die Geschichte der Havel-Insel im 19. Jahrhundert.

Sehr zeitgemäß geht es bei Thomas Melle zu, dem jüngsten der Finalisten. In "3000 Euro" befasst sich der 1975 geborene Autor mit einem verschuldeten Paar vom unteren Rand der Gesellschaft, das einen Ausweg aus seinem Dasein sucht. Gertrud Leutenegger beschreibt in "Panischer Frühling" die Situation in London, als 2010 der Ausbruch eines isländischen Vulkans den Flugverkehr lahmlegt. Die Schweizerin, die vor fast 40 Jahren ihren ersten Roman veröffentlichte, ist auch als Theaterregisseurin bekanntgeworden.

Melle und Leutenegger dürften im Finale eher Außenseiter sein. Ein Überraschungskandidat könnte der letzte der Nominierten, Heinrich Steinfest, sein. In "Der Allesforscher" lässt er einen Manager nach einem Unfall mit einem Wal zum Bademeister werden. Der in Stuttgart lebende Österreicher ist für skurrile Geschichten und seinen großen Sprachwitz bekannt. Vielfach wurde er für seine Krimis ausgezeichnet.

Insgesamt hat die siebenköpfige Kritiker-Jury 176 Titel von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet. Die Mitte August veröffentlichte Longlist umfasste noch 20 Titel. Keinen Berücksichtigung fand darauf Judith Hermanns Stalker-Roman und Bestseller "Aller Liebe Anfang", der gerade im Feuilleton sehr kontrovers besprochen wird.

Auf dem Weg von Long- zur Shortlist ist auch Sasa Stanisics "Vor dem Fest" auf der Strecke geblieben. Aber der viel gelobte Dorfroman aus der Uckermark des Deutsch-Bosniers hat bereits auf der Leipziger Buchmesse den Belletristik-Preis erhalten. Für den Deutschen Buchpreis ist dies dann meist eher ein schlechtes Omen.

Die am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehene Literaturauszeichnung hat die größte Publikumsresonanz in Deutschland. Der Gewinner erhält 25 000 Euro - und in der Regel einen Spitzenplatz auf der Bestsellerliste. Im vergangenen Jahr wurde Terézia Mora für den Roman "Das Ungeheuer" ausgezeichnet.