Lübeck - Thomas Mann hat sich selbst gern als "Ohrenmensch" bezeichnet. In einer großen Doppelausstellung zeigt seine Geburtsstadt Lübeck jetzt, dass auch Malerei, Fotografie und Plastik den Schriftsteller und sein Werk beeinflusst haben.

Unter dem Titel "Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst" geben das Museum Behnhaus und das Buddenbrookhaus erstmals Einblicke in die Bildwelten des Literaturnobelpreisträgers, der gern mit seinem Unverständnis von Malerei kokettiert hat. Gezeigt werden Bilder, die Mann beeindruckt haben, und Illustrationen anderer Künstler zu seinen Texten. Die Ausstellung sollte am Freitagabend in Anwesenheit von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnet werden.

Am Anfang der Ausstellung im Behnhaus stehen drei Bilder, die Thomas Mann 1904 im Haus seines künftigen Schwiegervaters Alfred Pringsheim in München erstmals sah. Die Gemälde "Orpheus mit der Lyra", der "Geharnischte Ritter mit zwei Hunden" und die "Jünglinge, Blumenkränze an die Laube knüpfend" von Hans Thoma stammen aus einem 13-teiligen Fries im Palais der Pringsheims. "In der Ausstellung stehen der Ritter und die Jünglinge für die Gegensätze zwischen der mittelalterlichen Tradition des Nordens und den Sehnsuchtslandschaften des Südens, für Manns Vaterstadt Lübeck und für München, wo er bis zu seiner Vertreibung durch die Nazis lebte", sagte Museumsleiter Alexander Bastek. Er hat die Ausstellung zusammen mit der Kunsthistorikerin Anna Maria Pfäfflin in mehrjähriger Arbeit kuratiert.

In einer Umfrage im Jahr 1913 habe Thomas Mann (1875-1955) noch angegeben, "zur modernen Malerei, ja zur Malerei überhaupt wenig Verhältnis" zu haben, heißt es im Ausstellungskatalog. Das änderte sich mit den Jahren. Waren es zunächst Holzschnitte von Albrecht Dürer, für die sich der Dichter begeisterte, so beeindruckten ihn später auch Skulpturen von Ernst Barlach, Fritz Behn oder Hans Schwegerle, Gemälde des Expressionisten Max Oppenheimer oder Holzschnitte des Belgiers Franz Masereel oder die ganz der Neuen Sachlichkeit verhafteten Fotografien von Alfred Renger-Patzsch.

"Viele Bilder, die im Haus der Manns hingen oder die er in Galerien sah, inspirierten ihn zu Figuren oder Szenen in seinen Büchern", sagte Bastek. Insofern bringe die Ausstellung auch literaturwissenschaftliche und kunsthistorische Forschung zusammen.

Geht es im Behnhaus um das, was der Dichter von seinem Schreibtisch aus sah, so zeigt das Buddenbrookhaus den Blick von der anderen Seite. Hier sind Illustrationen anderer Künstler zu Werken Thomas Manns zu sehen. Darunter sind auch 26 Arbeiten von Hamburger Design-Studenten der Fachrichtung Buchillustration.

Über Thomas Mann und die Musik sei bereits viel geforscht worden, schreibt der Leitende Direktor der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, im Vorwort zum Ausstellungskatalog. Mit dieser Ausstellung werde erstmals einer Facette in Leben und Werk Thomas Manns aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund gegangen, die in der Forschung bislang kaum berücksichtigt worden sei.