London/Wien - Freuds berühmte Couch: ein Rosshaarsofa, das "mehr Geheimnisse kennt als ein katholischer Beichtstuhl", wie es einst eine Patientin gesagt hat. Hier lagen die Besucher Sigmund Freuds (1856-1939) in seiner Wiener Praxis, wenn sie gemeinsam mit ihm ihre Seele erforschen wollten.

Wer das Sofa sehen möchte, ist in Österreichs Hauptstadt jedoch falsch. Heute steht die berühmte Couch im Freud-Museum in London-Hampstead am einstigen Wohnsitz der Familie im Exil.

Das Möbelstück erinnert an einen niedrigen Diwan, ist relativ kurz und mit einem Perserteppich bedeckt. Darauf liegen mehrere Kissen. Unter allem steckt die eigentliche Couch - ein simples Sofa, das Freud laut seiner Frau um 1890 von einer dankbaren Patientin bekam.

Während seiner Sitzungen nahm Freud in einem Sessel am Kopfende des Sofas Platz, um den Patienten zuzuhören. Am Fußende saß er nie: "Ich vertrage es nicht, acht Stunden täglich oder länger von anderen angestarrt zu werden."

Auch heute liegen Patienten bei einer Therapie in der Regel auf der Couch, ohne Blickkontakt zum Therapeuten. Die Patienten könnten sich freier fühlen und sich mehr ihrer "inneren Welt, den Gedanken, Gefühlen und inneren Bildern zuwenden", erläutert dazu die Bundespsychotherapeutenkammer.