Helsinki - Ein finnischer Fernsehgerätehändler, der die US-Flagge im eigenen Garten hisst: Nach dem Vorbild großer US-Erzähler wie John Updike hat Juha Itkonen (38) einen kühnen Familienroman über das Nachkriegs-Finnland geschrieben. "Ein flüchtiges Leuchten" ist ein Porträt von drei Generationen.

Für die Hauptfigur Esko Vuori symbolisiert Amerika den Traum vom Aufstieg. Finnland, lange durch einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion verbunden, sei "fast ein ganz normales Land" geworden, sagt der junge Autor im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Ihr Roman ist der Versuch, am Beispiel einer finnischen Familie aus der Mittelschicht die Nachkriegsgeschichte zu erzählen. Hat Finnland diese Epoche anders erlebt?

Antwort: Was die Hauptfigur Esko Vuori im Jahr 1976 macht, ist schon etwas aufmüpfig. Andere Geschäftsleute würden nicht wie er zum US-Unabhängigkeitstag ein Grillfest im eigenen Garten machen und die US-Flagge hissen. Wir haben in der Nachbarschaft der Sowjetunion gelebt, wir mussten Freundschaft offiziell pflegen.

Frage: Letztlich wird Esko auch von den USA enttäuscht...

Antwort: Esko verliert seinen Fortschrittsglauben, gleichzeitig driftet die Familie auseinander. Esko schafft es nicht, mit der Emanzipation seiner Frau umzugehen oder der Depression seines ältesten Sohnes, der eine neue Generation verkörpert.

Frage: In Finnland hat sich inzwischen das Verhältnis der Geschlechter stark verändert. Männer bleiben oft zu Hause und kümmern sich um die Kindererziehung, mehr als in Deutschland. Wie erleben Sie das selbst?

Antwort: Die Ehe Eskos ist ziemlich typisch für die Ehe meiner eigenen Eltern. Meine Mutter arbeitete zwar schon, aber sie hat alles zu Hause gemacht. Jetzt muss ich mich zu Hause um meine Kinder kümmern. Meine Frau ist in einer internationalen Firma angestellt und viel unterwegs. Für mich ist das manchmal auch nicht einfach, weil ich immer noch das Bild von meinem Vater vor Augen habe.

Frage: Sie haben eine Zeitlang in München gelebt. Haben die Deutschen von Finnland ein realistisches Bild?

Antwort: Die Bilder, die die Deutschen von Finnland haben, sind geprägt durch die Filme von Aki Kaurismäki oder Klischees von der Sauna und der ewigen Dunkelheit. Die Wahrheit ist: Finnland ist fast ein ganz normales Land.

Frage: Sie verblüffen im Roman mit großem Wissen über die deutschen Radio- und Fernsehgerätehersteller der 60er Jahre wie Nordmende, Körting oder Grundig, die hierzulande nur noch Ältere kennen.

Antwort: Ich habe in der Bibliothek tagelang alte Zeitungen gelesen, besonders aus den 1960er Jahren, bis die Japaner den Markt mit Rundfunkgeräten eroberten. Aber auch danach haben viele in Finnland noch auf die deutsche Technik vertraut.

ZUR PERSON: Juha Itkonen, 1975 geboren, ist einer der produktivsten Schriftsteller der jüngeren Generation in Finnland. Derzeit arbeitet er an seinem sechsten Roman. Mit seiner Frau hat er auch ein Kinderbuch geschrieben. Er lebte eine Zeitlang in München.