Berlin - Es sind historische Personen und reale Geschichten, die den Autor Thomas Hettche beflügeln. "Ich mag es sehr, in ein realistisches Setting hineinzuschreiben", sagt Hettche der Nachrichtenagentur dpa. Recherche sei ihm wichtig, denn konkrete Details würden die Fantasie stimulieren.

So verarbeitete er die Geschichte eines Justizirrtums in "Der Fall Arbogast". Und seinem neuesten Roman "Pfaueninsel" liegt die historische Figur des kleinwüchsigen Maria Dorothea Strakon zugrunde. Das Schlossfräulein lebte im 19. Jahrhundert auf der Pfaueninsel in der Havel, vor den Toren Berlins.

Er suche sich die Themen seiner Bücher nicht aus, sagt Hettche. "Es ist eher so, dass man mit einer Art Schleppnetz durch die Welt geht, bewusst ziellos, in dem dann alles Mögliche hängenbleibt." Zunächst wisse man gar nicht genau, was die Faszination einer Geschichte ausmache. "Doch dann beginnt sie zu leben und lässt einen nicht mehr los."

Dabei spielen auch autobiografische Elemente für Hettche eine Rolle, selbst wenn er nichts davon halte, sein Leben "literarisch auszubeuten". In dem Essayband "Totenberg" setzte er sich mit der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander, von der auch seine Mutter betroffen war. Sie kam nach Hessen, wo Hettche 1964 geboren wurde.

Nach Aufenthalten in Krakau, Venedig, Rom und Los Angeles lebt der Autor heute in Berlin und der Schweiz. Obwohl er gern in der Hauptstadt lebe, sagt Hettche: "Ich fühle mich immer noch der Landschaft verbunden, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Der Topographie, dem Sprachklang, dem Licht. Das sucht man sich nicht aus." Im November feiert der Vater von zwei Töchtern seinen 50. Geburtstag. Was er sich wünscht? Hettche lacht und schweigt.