Berlin - Thomas Melle nimmt seine Leser mit auf dunkle Reisen: an den Rand der Gesellschaft, in seelische Abgründe.

In den Romanen des Schriftstellers tummeln sich der Pfandflaschensammler mit dem abgebrochenem Jura-Studium, die Pornodarstellerin mit dem großen Traum von einer New-York-Reise und neurotische Hipster, die unaufhaltsam ins Haltlose treiben.

"Ich denke, dass man an den Leuten am Rand sehr viel ablesen kann, was die Mitte der Gesellschaft angeht", sagt Melle der Nachrichtenagentur dpa. Und manchmal sehe er sich auch als Randfigur. Kritiker lobten den Facettenreichtum des sympathischen Wahlberliners, seine sensiblen Alltagsbeobachtungen und den manchmal fast schon schmerzhaft nahen Blick auf die Protagonisten. "Es ist eine Form von Imagination und Empathie, eine Form von sich hineinversetzen", meint Melle.

In seinem jüngsten Roman "3000 Euro" dreht sich alles um diese Geldsumme. Sie erscheint den meisten wohl nicht allzu hoch, doch für Melles zwei Antihelden bedeutet sie fast alles. "Es ist so ein Betrag, der alles sein kann", sagt Melle. "Für den einen ist das aus der Portokasse schnell bezahlt, für den anderen wird es zum Lebensproblem."

Über sich selbst sagt der Autor, dass er Pessimist, aber auch Optimist sei. So antwortete der gebürtige Bonner einmal in einem Blog von Amazon auf die Frage, was er am liebsten tue, wenn er nicht schreibe: "Ich versuche zu leben". Heute würde er Kino, Theater und Treffen mit Freunden nennen, ganz normale Dinge eben, sagt Melle und lacht.

Tatsächlich bestehe sein Leben seit zwei Jahren aber vor allem aus Schreiben. Und das macht Melle sehr erfolgreich. Bereits mit seinem Debütroman "Sickster" wurde er für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zuvor arbeitete der 1975 geborene Melle als Theaterautor und als Übersetzer. "Ich habe den Beruf gewählt, weil ich unbedingt schreiben wollte und Literatur mich geprägt hat, aber auch weil es ein sehr freier und stiller Job ist, den man da hat."