Frankfurt/Main - Die Umsätze der Verlage gehen zurück, Amazon bringt eine Flatrate - dennoch demonstriert die Buchbranche zur Frankfurter Buchmesse Selbstbewusstsein.

Wenn am Mittwoch die ersten Fachbesucher auf die weltgrößte Bücherschau strömen, zeigen 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern neue Bücher und digitale Anwendungen.

"Uns ist nicht bange", sagte der neue Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, am Dienstag kurz vor der Eröffnung.

Ehrengast ist in diesem Jahr Finnland, das sich in Frankfurt "cool" präsentiert. Drei Design-Studenten haben eine Winterlandschaft aus Eis und Schnee gebaut, in der ein Park und eine Bibliothek zum Verweilen einladen. Die Besucher können sich am Kopf verkabeln lassen - die Gehirnströme werden dann in Gedichte umgewandelt.

"Die wirtschaftliche Situation ist eine nicht ganz schlechte", formulierte Riethmüller. Gut ist sie aber nicht: In den ersten acht Monaten dieses Jahres sank der Umsatz im gesamten Buchhandel um drei Prozent. Am stärksten betroffen sind Taschenbücher. Hier wurden 7,3 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr. Die Konkurrenz durch das E-Book ist auf diesem Sektor besonders stark. Der stationäre Buchhandel verliert weniger als der Gesamtmarkt: nur minus 1,8 Prozent.

Der Börsenverein hofft, dass ein gutes Weihnachtsgeschäft den Rückgang wettmacht, so dass "wir am Ende bei einer Null rauskommen". Es gebe viele starke Titel in diesem Herbst, etwa den neuen Roman "Kinder der Freiheit" von Ken Follett oder den Buchpreis-Gewinner "Kruso" von Lutz Seiler.

Buchmessen-Direktor Juergen Boos rechnet bis zum Sonntag mit 280 000 bis 300 000 Besuchern. Die Zahl der Aussteller ist leicht rückläufig, wird dabei aber immer internationaler. Inzwischen kommen 65 Prozent der Aussteller nicht mehr aus Deutschland. Die Buchmesse habe eine gesellschaftliche Aufgabe, betonte Boos. Sie trage dazu bei, "dass Verständigung und Vielfalt siegen über Gewalt und Gleichmacherei".

Am Tag der Eröffnung brachte der Online-Händler Amazon seine E-Book-Flatrate nach Deutschland. Beim Dienst Kindle Unlimited hätten die Nutzer für einen Betrag von 9,99 Euro im Monat Zugang zu einer Auswahl digitaler Bücher. Verfügbar seien insgesamt 650 000 Titel, davon 40 000 in Deutsch, teilte Amazon mit.

Auf der Messe reagierte man zurückhaltend: "Das ist ein neues Geschäftsmodell, das wir beobachten müssen", sagte Riethmüller. Es gebe dabei aber einige Probleme, etwa bei Rechten und der Vergütung. Buchmessen-Direktor Boos sagte, die Idee sei uralt: "Jede Stadtbibliothek bietet eine Flatrate."

"Der deutsche Buchhandel hat keine Angst vor Amazon", sagte Riethmüller, "wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." 16,3 Prozent des Buchmarkt-Umsatzes werden inzwischen im Online-Handel erwirtschaftet. Amazon macht Schätzungen zufolge 50 bis 70 Prozent dieser Geschäfte. E-Books haben in Deutschland noch lange nicht den Stellenwert wie in anderen Ländern, der Marktanteil liegt laut Börsenverein immer noch unter fünf Prozent.

Buchmesse im Zeichen des Wandels

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