Frankfurt/Main - Die Finnen lieben Lyrik-Performances: Auf der Frankfurter Buchmesse wandeln die Skandinavier sogar Hirnströme in Versmaße um.

Der Besucher wird am Kopf verkabelt, dann werden die EEG-Kurven in leichte oder eher düstere Gedichtbrocken übersetzt und an eine Wand geworfen. "Brain Poetry" heißt das in Finnland sehr erfolgreiche Projekt, dessen Software sich den gesammelten dichterischen Sprachschatz der Welt zunutze macht. "Ihre Gedanken können wir aber nicht lesen", beruhigt Jukka Toivanen, einer der Entwickler.

Ansonsten geben sich die Finnen, in diesem Jahr Ehrengäste der weltgrößten Bücherschau, in ihrem Pavillon ganz entspannt. Alles wirkt klar, nüchtern, offen und kühl - für diese Eigenschaften steht auch finnisches Design. Wie in einer nordischen Winterlandschaft dominiert die Farbe Weiß - und es herrscht eine große Ruhe. Sechs kreisrunde Rotunden laden zum Schmökern, zu Lesungen und spontanen Aktionen ein. "In Finnland sind Bibliotheken immer Treffpunkte. Dies wollten wir auch hier verwirklichen", sagt Natalia Baczynska Kimberley.

Zusammen mit zwei weiteren Design-Studenten aus Helsinki hat sie den Pavillon entworfen. Auch ein Novum. Eineinhalb Jahre lang haben die Studenten im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Installation für den Pavillon gearbeitet. Bücherregale sind dort verpönt: Alle Bände zu Finnland sind entlang eines großen Kreises aufgereiht - und damit für alle gleichermaßen zugänglich. Buchdemokratie auf Finnisch: "Kein Buch soll bevorzugt werden", meint Kimberley.

Jahrelang haben die Finnen hoch professionell ihren Auftritt vorbereitet. Organisiert wird das rund vier Millionen Euro teure Projekt nicht von der Regierung, sondern einer traditionsreichen Literaturgesellschaft. Die Hälfte der Gelder sollte über Sponsoren reinkommen. Das war letztlich nicht einfach. Beinahe hätte die Wirtschaftskrise das Konzept noch ins Wanken gebracht.

Die Buchmesse soll nun zum weltweiten Sprungbrett für die finnische Literatur werden. Bisher sind nur wenige Autoren international bekannt. Die Voraussetzungen sind gut, dass sich das ändert. Rund 130 Bücher sind zur Messe ins Deutsche übersetzt worden. Mehr als 50 finnische Autoren kommen nach Frankfurt. Auch mit "Schweiß und Poesie" - der Roadtrip junger finnischer Lyriker mit einer mobilen Sauna durch mehrere deutsche Städte endet am Mittwoch auf der Messe.