Frankfurt/Main - Im Gang zwischen den Haupthallen 3 und 4 auf der Frankfurter Buchmesse klebt ein gigantisches Zwei-mal-fünf-Meter-Poster von Dora Heldt.

"Ganz ehrlich: Das ist mir unangenehm. Es ist nicht das schönste aller Gefühle, auf dieser Messe vor dem Plakat zu stehen", sagt die 52-Jährige, deren neuer Bestseller-mit-Ansage "Wind aus West mit starken Böen" auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste geschossen ist. Die aber dennoch geerdet und wasserfallartig redend wie eh und je als Verlagsvertreterin am dtv-Stand arbeitet. "Wenn mal Leser vorbeikommen, finden die das ganz lustig, aber dann kriegen die von mir trotzdem einen Saft."

Die gelernte Buchhändlerin Dora Heldt ist ein Phänomen. An amüsanter Bodenständigkeit und als Fließband-Erfolgsautorin für die Frau im mittleren Alter. Ihre Romane wie "Urlaub mit Papa" und "Tante Inge haut ab" - mit den Gute-Laune-Illustrationen auf dem Cover - erschienen in Millionenauflage und wurden für das ZDF quotenträchtig verfilmt. Was ihr Erfolgsgeheimnis sei? "Ich glaube, ich bin einfach so durchschnittlich", sagt die auf Sylt geborene Hamburgerin.

Ihre Scheidung, als ihr Mann sie für ihre beste Freundin verließ, diente als Vorlage für ihren ersten Roman "Ausgeliebt" (2006). Zu "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" hatte sie die Idee, "als ich meinen 50. Geburtstag komisch fand und merkte, \'okay, alle meine Freundinnen finden den auch komisch\'". Schubladen wie "Die neue Hera Lind" oder "Die ältere Ildikó von Kürthy" findet sie "Quatsch! Nur weil das Amazon macht, machen das alle."

Ihr pünktlich zur Buchmesse erschienenes, insgesamt zehntes Buch heißt nun also "Wind aus West mit starken Böen". Dora Heldt zählt es selber zu ihrer "Frauen-Schiene" (demgegenüber stehen bei ihr die "Papa-Geschichten"). Eine gewisse Katharina Johannsen, die in einem Recherchebüro in Bremen arbeitet, wird für den Auftrag eines holländischen Starautors auf ihre Heimatinsel Sylt geschickt. Dort begegnet die Endvierzigerin nicht nur ihrer jüngeren Schwester wieder, die eine Segelschule am Rande der Pleite betreibt und genau das Gegenteil von ihr ist, sondern auch ihrer Jugendliebe Hannes...

In der kontrollwütigen, perfektionistischen Katharina "verwurstete" Heldt eigene Charakterzüge, wie sie sagt. In ihren Büchern tauchten auch schon Verwandte auf: "Ich sehe beim Schreiben einen Film und brauche immer Gesichter. Aber wenn ich sehe, dass ich zu dicht an einer Figur dran bin, gebe ich ihr das vorher zum Lesen."

Dora Heldt, die immer noch im Frühjahr und im Herbst jeweils das dtv-Belletristik-Programm im norddeutschen Buchhandel präsentiert, wuselt am Messestand umher wie alle anderen Verlagsmitarbeiter. Nur hat sie als einzige an ihrem schwarzen Strickkleid kein Namensschildchen. "Das wäre zu irritierend", sagt sie. Schließlich heißt sie in echt Bärbel Schmidt. Dora Heldt ist der Name ihrer Großmutter. Ihr Pseudonym hat sie sich aber nicht zugelegt, "weil Bärbel Schmidt als Name nicht gerade sensationell ist". Sie hieß damals noch so wie ihr Ex-Mann; vor allem aber wollte sie ihr erstes Manuskript anonym einreichen, "damit meine Kollegen nicht aus Nettigkeit einen Flop von mir veröffentlichen".