Hamburg - Altbundeskanzler Helmut Schmidt verband mit dem Schriftsteller Siegfried Lenz eine jahrzehntelange Freundschaft. Bei der Trauerfeier im Hamburger Michel hielt der 95-Jährige eine bewegende Rede für seine Freund "Siggi". dpa dokumentiert Auszüge:

"Mit dem Tod von Siegfried Lenz ist für mich eine Freundschaft zu Ende gegangen, die über ein halbes Jahrhundert gedauert hat. Und die mich immer wieder bereichert hat."

"Über Jahrzehnte haben wir uns im Sommer zu viert zusammengesetzt - Lilo, Siggi, Loki und ich. Und die beiden Frauen waren mindestens genauso wichtig wie die beiden Männer."

"In den letzten 30 Jahren haben Siegfried Lenz und ich uns (...) mehrere Hunderte Male getroffen - und immer wieder haben wir aufs Neue über Gott und die Welt geredet."

"Siegfried hat mich ausgefragt und ich habe Siggi ausgefragt."

"Er hat sich selbst einen Schriftsteller genannt, aber hinter dem Schriftsteller blieb ein Philosoph einigermaßen verborgen, und in dem Philosophen steckte ein stringenter Moralist."

"Für Loki und für mich war Siegfried Lenz der Ombudsmann des menschlichen Anstandes."

"Bei alledem war Siggi Lenz ein großartiger Geschichtenerzähler. Ich habe seinen Einfallsreichtum und die Kraft seiner Fantasie immer bewundert."

"Er hat seinen Lesern ein ganzes Mosaik unserer Epoche präsentiert. Und hat damit zum geistigen Wiederaufbau Deutschlands beigetragen."

"Gemeinsam ist uns die Tugend der Gelassenheit gewesen. Und gemeinsam ist uns immer das Bewusstsein der eigenen Verantwortung gewesen."

"Eine der Voraussetzungen von Freundschaft ist, dass ich mich bei dem, was der Freund mir sagt, dass ich mich darauf verlassen kann, dass es sich um seine Wahrheit handelt. So war das immer mit Siggi."

"Siggi war ein Mann mit einem großen Einfühlungsvermögen. Er war ein Mensch von großer Freundlichkeit und von großer Bescheidenheit. Für mich blieb er ein Mann ohne erkennbare Schwächen. Ich werde ihn sehr vermissen."