Berlin - Christoph Hein hat als "poetischer Chronist der DDR" Literaturgeschichte geschrieben. Vor allem seine Novelle "Der fremde Freund" (1982), im Westen unter dem Titel "Drachenblut" erschienen, wurde diesseits und jenseits der Mauer Kult.

Vor 25 Jahren gehörte der Pfarrerssohn aus Sachsen zu den Berliner Theatermachern, die fünf Tage vor dem Fall der Mauer die legendäre Demonstration auf dem Alexanderplatz organisierten. "Wir wussten bis zum Schluss nicht, ob da ein paar Hundert oder ein paar Tausend Leute kommen", erinnert sich der 70-Jährige heute. "Am Schluss wurden es bis zu eine Million."

Für die DDR-Oberen war der Alexanderplatz nach den vorangegangenen Demonstrationen in Leipzig und vielen anderen Städten das wohl entscheidende Signal zum Handeln. "Sie dachten, sie könnten die Mauer ein kleines Stückchen öffnen und sprachen von Reiseerleichterungen", so Hein. "Aber dann explodierte der ganze Kessel und die Mauer fiel. Unser größtes Glück ist, dass alles unblutig passierte."

Der Autor trat nach der Wende für einen demokratischen Sozialismus ein. Bis heute ist er der Meinung, dass das Zusammenwachsen von Ost und West noch nicht wirklich geglückt ist. 1998 ließ er sich zum ersten Präsidenten des gesamtdeutschen Schriftstellerverbands PEN wählen, bis 2006 war er Mitherausgeber der ambitionierten Ost-West-Zeitung "Der Freitag". Daneben erschienen wichtige Romane wie "Willenbrock", "Landnahme" und "Weiskerns Nachlass", zuletzt die Erzählungen "Vor der Zeit".

Nach dem Krebstod seiner ersten Frau ist Hein seit 2011 mit der Opernsängerin Maria Husmann verheiratet. Er hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Sachsen-Anhalt. Zum Jubiläum des Mauerfalls ist er in vielen Diskussionsrunden ein gefragter Gesprächspartner.