Paris - Vier vermeintliche Ehrenmänner halten 42 Frauen und Knaben als sexuelle Sklaven gefangen. Die Orgien und Perversionen, denen sich die Libertins unbeobachtet hingeben, sind ausführlich in dem Roman "Die 120 Tage von Sodom" beschrieben.

Marquis de Sade hat das Buch im Gefängnis verfasst, wo er wegen seiner ausschweifenden Sexorgien und sadistischen Bücher des Öfteren saß. 200 Jahre nach seinem Tod in einer Irrenanstalt im Alter von 74 Jahren werden dem Aristokraten und Schriftsteller, der als Autor des Bösen in die Literaturgeschichte eingegangen ist und von dessen Namen der Begriff "Sadismus" abgeleitet ist, zahlreiche Bücher und Ausstellungen gewidmet.

Psychopath, Wüstling oder zynischer Denker? De Sade wirft noch 200 Jahre nach seinem Tod am 2. Dezember 1814 in der Irrenanstalt in Charenton-Saint-Maurice nahe Paris zahlreiche Fragen auf. Auch für Spezialisten wie Laurence des Cars, die als Kuratorin an der im Oktober eröffneten Pariser Ausstellung "Sade. Attaquer le soleil" (Sade. Die Sonne angreifen) im Pariser Musée d\'Orsay mitgewirkt hat. "Was ihn im Inneren umgetrieben hat, ist schwer zu sagen", meint die Französin. Sicher sei, dass seine libertäre Lebenshaltung ein neues Lust- und Gewaltbild in der Kunst erzeugt habe. "De Sade hat das 19. Jahrhundert dazu angeregt, das zu zeigen, was man noch nicht sagen konnte", erklärt sie.

Auch der Schweizer Historiker Volker Reinhard hat in seiner vor kurzem veröffentlichten Biografie "De Sade oder Die Vermessung des Bösen" versucht, etwas tiefer in die Seele des Libertins und Literaten zu blicken. Als Akademiker konzentriert sich Reinhard auf die Frage nach dem Bösen vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der damaligen Zeit des Ancien Régime, das für den Inbegriff der Dekadenz schlechthin steht.

De Sade wurde am 2. Juni 1740 als Adliger aus dem Haus Sade geboren. Er führte ein ausschweifendes Leben. Seine Lust am Perversen und an sexueller Gewalt haben ihn mehrmals ins Gefängnis gebracht. Doch viele Aspekte aus dem Leben des Autors, der seine perversen Obsessionen zum Kult erhob und sie niederschrieb, bleiben noch im Dunkeln. Über de Sades Beziehung zu seiner Mutter, die die meiste Zeit im Kloster lebte, ist nur wenig bekannt. Auch darüber, dass de Sade Frauen, speziell Schwangeren und Müttern, in seinen Büchern besonders sadistisch mitgespielt hat, wurde bislang kaum etwas geschrieben.

Ob "Die 120 Tage von Sodom", "Justine" oder eines seiner anderen Bücher: De Sades Ruhm gründet auf seinen grausamen sexuellen Handlungen. Daran hat sich nichts geändert. In Biografien und Rezeptionsgeschichten in den vergangenen Jahren wird er auch weiterhin als Perverser, Dämon und als Monster beschrieben. Nur: Früher wurden seine Bücher zensiert, heute gehören sie zu den Klassikern der erotischen Literatur.