Paris/Mailand/Köln - Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq hat nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris "hin und wieder" Angst und glaubt nicht an einen Ruck in Frankreichs Gesellschaft.

Er denke nicht, dass der Marsch der Millionen am vergangenen Sonntag enorme Folgen haben werde, sagte Houellebecq dem Mailänder "Corriere della Sera" (Mittwoch) in einem Interview. "Die Situation wird sich nicht tiefgehend verändern, sie werden mit den Füßen auf den Boden zurückkehren." Er machte deutlich, dass er das Aufstehen für die Meinungsfreiheit und gegen den Terrorismus für eine Episode hält.

Die von Islamisten angegriffene religionskritische Wochenzeitung "Charlie Hebdo" hatte mit Houellebecqs neuem und umstrittenem Roman "Unterwerfung" (im Original: "Soumission") aufgemacht, in dem der Autor Frankreich im Jahr 2022 als ein Land unter einem muslimischen Präsidenten beschreibt. Houellebecq hält sein Buch nicht für islamfeindlich.

Eine Woche nach dem Erscheinen in Frankreich und dem Anschlag in Paris ist es nun auch in Deutschland zu kaufen. Mehrere Buchhandlungen in Köln meldeten am Mittwoch bereits eine sehr große Nachfrage nach der Übersetzung. Als geplanten Erscheinungstag von "Unterwerfung" hatte der DuMont Buchverlag den 16. Januar eingeplant. Der Versand begann aber schon vorher, und die Buchhandlungen dürfen den Roman verkaufen, sobald er bei ihnen eintrifft.

Houellebecq will ihn am Montagabend (19.1.) in Köln auch persönlich vorstellen. DuMont liefert derzeit die erste Auflage von 100 000 Exemplaren aus. Weitere 50 000 Exemplare werden gerade gedruckt und sollen am Montag fertig sein.

In dem Interview lobt Houellebecq die neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" mit dem Propheten Mohammed auf dem Titelbild: "Ja, das ist das, was getan werden muss, es ist die richtige Wahl", sagte er. Es sei richtig, dass "Charlie Hebdo" bei seiner Linie bleibe. Wie das Magazin empfinde auch er, Houellebecq, sich immer als "verantwortungslos", sonst könnte er auch nicht mehr schreiben. "Meine Rolle ist es nicht, zum sozialen Zusammenhalt beizutragen. Ich bin weder instrumentalisierbar noch verantwortungsvoll", sagte er.

Destabilisierend für Frankreich sei, dass das Land immer mehr nach rechts drifte, die Wiederwahl eines linken Präsidenten dabei aber nicht völlig undenkbar sei. Houellebecq hebt auch hervor, dass der rechtsextreme Front National (FN) viel Gewicht in der Gesellschaft habe, was sich im Parlament (bei nur zwei Abgeordneten) aber nicht zeige: "Ich frage mich, bis zu welchem Punkt eine solche Lage haltbar ist." Es gebe ein System, das demokratisch sein müsste, jedoch nicht mehr funktioniere. Houellebecq bejahte, dass es gleichzeitig eine Rückkehr der Religion gebe.