Lübeck - Literaturnobelpreisträger Günter Grass (87) befürchtet, dass die Welt von einer neuen Art von Krieg überzogen wird.

"In letzter Zeit hört man immer wieder Warnungen vor einem dritten Weltkrieg. Ich frage mich manchmal, ob er nicht schon längst begonnen hat, auf eine ganz andere Art, als wir es vom Ersten und Zweiten Weltkrieg her kennen", sagte Grass der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Montag).

Grass verwies darauf, dass inzwischen neue Kampfformen entwickelt worden seien. Allein über das Internet könnten heute Systeme blockiert und Wirtschaftskriege geführt werden. "Das läuft parallel zu den klassischen kriegerischen Konflikten ab, die wir in der Ukraine, in Syrien und anderswo erleben", sagte der 87-Jährige. Es sei "eine unüberschaubare Lage entstanden", die ihn sehr sorgenvoll stimme.

Grass rechnet nicht damit, dass das Friedensabkommen von Minsk dauerhaft hält. "Ich glaube nicht, dass es zu einem Frieden führen wird, weil ich den Eindruck habe, dass weder die Ukraine noch Russland die vollständige Kontrolle über die eingesetzten Truppen hat."