London - Großbritannien trauert um einen seiner Erfolgsautoren. Die von ihm erfundene "Scheibenwelt" machte Terry Pratchett in der echten Welt berühmt. Seinen Kampf gegen Alzheimer führte er öffentlich, mutig und mit Humor.

Terry Pratchett fühlte sich inmitten seiner Fans zu Hause. Sie erkannten den "Scheibenwelt"-Erfinder sofort an seinem schwarzen Filzhut, dem weißen Vollbart und dem langen, schwarzen Mantel. Seit einigen Jahren machte er nicht mehr nur mit seinen Erfolgsromanen, sondern auch als "Alzheimer-Krieger" Schlagzeilen. Pratchett teilte Ende 2007 mit, dass er an der Gehirnerkrankung leide. Seitdem setzte er sich für die Erforschung von Demenzerkrankungen ein und setze sich öffentlich mit Sterbehilfe auseinander. Am Donnerstag ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.

Es waren seine Tochter und sein enger Freund Rob Wilkins, die Fans über Twitter über den Tod des Autors informierten. "Terry nahm den Arm des Todes und folgte ihm durch die Türen und weiter zur schwarzen Wüste unter der endlosen Nacht", schrieben sie auf Pratchetts offiziellem Account und dem seiner Tochter Rhianna. Die letzte Nachricht lautete schlicht: "The End." Das letzte Kapitel ist abgeschlossen. "Diese letzten paar Tweets wurden mit zitternden Händen und Augen voller Tränen gesendet", schrieb Rhianna später.

Pratchett hatte in Interviews offen und ergreifend über die Krankheit gesprochen, mit der er täglich zu kämpfen hatte und die er gern als "Widrigkeit" bezeichnete. Er gab seinen Führerschein ab, seine steifen Finger mussten sich jeden Tag neu die Tastatur seines Computers erarbeiten, wie er erzählte.

Vom Schreiben hielt ihn das nicht ab: Erst im vergangenen Jahr beendete er seinen letzten Roman. Er spielte wieder in der "Scheibenwelt", die den Autor berühmt gemacht hatte. Die Geschichten spielen auf einem flachen Planeten ("Discworld"), der sich auf dem Rücken von vier gigantischen Elefanten durch das Weltall bewegt, die wiederum auf dem Rücken einer Riesenschildkröte stehen.

"Wie alle seine Leser wissen, war "Scheibenwelt" sein Mittel, seine Welt auf die Schippe zu nehmen; er tat das brillant, mit großem Geschick, enorm viel Humor und anhaltender Erfindungsgabe", teilte sein Verleger Larry Finlay mit. 1983 war das erste Buch der Reihe erschienen, "Die Farben der Magie". Wenig später hatte die Fantasiewelt Fans in vielen Ländern, rund 40 Romane der Reihe sind erschienen.

Pratchett war als Kind eine Leseratte und begann bereits im Alter von elf Jahren mit dem Schreiben von Fantasiegeschichten. Mit 13 Jahren veröffentlichte er sein erstes Werk, eine Kurzgeschichte. Nach der Schule wurde er zunächst Journalist bei einer Lokalzeitung, danach Pressesprecher eines Strombetriebes.

Als nach dem Start der "Scheibenwelt"-Reihe klar war, dass er von den Büchern leben konnte, gab er 1987 seinen Job auf. Pratchetts Bücher erschienen regelmäßig auf den Bestseller-Listen verschiedener Länder. Sie wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und verkauften sich insgesamt rund 70 Millionen mal.

Pratchett war mehr als 40 Jahren mit seiner Frau Lyn verheiratet, die sich um die Finanzen kümmerte. Das Ehepaar lebte in Wiltshire im Südwesten Englands, mit "verwöhnten Hühnern" und vielen Katzen. Eine der Katzen hat laut Verlag auf Pratchetts Bett geschlafen, als er im Kreise seiner Familie starb.