München - "Probebohrungen im Himmel" hieß sein erster Gedichtband aus dem Jahr 2001, mit dem er die Fachwelt begeisterte. Der gebürtige Hamburger Jan Wagner, Jahrgang 1971, ist seither ein überaus erfolgreicher Lyriker, Essayist, Übersetzer und Literaturkritiker.

Nahezu jede seiner Veröffentlichungen wird hochgelobt, wofür die Vielzahl von Preisen und Stipendien beredter Beleg ist, darunter der Tübinger Hölderlin-Preis und der Kranichsteiner Literaturpreis (beide 2011). Zuletzt gab es im vergangenen Dezember den Mörike-Preis der Stadt Fellbach in Baden-Württemberg.

Sein jüngster und sechster Lyrikband "Regentonnenvariationen" erlebte eine Ehrung der besonderen Art, denn noch nie zuvor wurden Gedichte für geeignet befunden, beim Leipziger Buchpreis in der Sparte Belletristik der Prosa den Rang ablaufen zu können. Doch schöngeistige Literatur ist Wagners Lektüre allemal. Und was für welche.

Denn Wagner ist ein Poet, der Großes im Kleinen sieht, in den Dingen des Alltags, der nicht nur einen Blick für Details hat, sondern diese auch in wunderschöne Worte kleiden kann, der aus Gelegenheiten und Anlässen Kunstgenuss formuliert. Und er ist einer, der mit feinem Humor und philosophischer Weisheit Totes zum Leben erweckt. "Jan Wagner gilt als eine der wichtigen lyrischen Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur", urteilte etwa der WDR.

Das Studium der Anglistik und Amerikanistik in Hamburg, Dublin und Berlin - seit 1995 sein Lebens-Mittelpunkt - war Ausgangspunkt des Wagnerschen Faibles für englischsprachige Literatur und Lyrik, die Mitarbeit an der internationalen Literaturschachtel "Die Außenseite des Elements" (1995-2003) eine logische Konsequenz. Neben eigenen Wortwerken (u.a. "Guerickes Sperling"/2004, "Die Eulenhasser in den Hallenhäusern. Drei Verborgene"/2012) befasst sich der Dichter nach wie vor mit Lyrikübersetzungen und Literaturkritiken für Zeitungen und andere Medien. Mit dem Partner Björn Kuhligk brachte er 2003 die Anthologie "Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen" und 2008 "Lyrik von Jetzt zwei" heraus - gesammelte junge deutschsprachige Lyrik.

Längst werden die Werke des Autors, der Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland, in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der schönen Künste sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz ist, auch international hoch geschätzt. Bisher wurden sie in rund 30 Sprachen übersetzt.