Hannover - Der Schöpfer des kleinen Drachen Kokosnuss, Ingo Siegner, hat sich für sein neues Kinderbuch Unterstützung eines Ägyptologen geholt. "Sobald die Themen historisch werden, ziehe ich einen Experten zurate", sagte der Autor am Mittwoch.

Noch nie sei die Zusammenarbeit aber so intensiv gewesen wie mit Christian Loeben, dem Leiter der ägyptischen Sammlung des Museums August Kestner in Hannover. Im 23. Abenteuer der beliebten Reihe unternimmt Kokosnuss eine Expedition auf dem Nil. Während der Recherchen lernte Siegner unter anderem, dass die Pyramiden nicht von Sklaven gebaut wurden und dass es um 2500 vor Christus noch keine Hühner in Ägypten gab.

Der vorwitzige Drache mit der blauen Kappe gilt als beliebteste aktuelle Kinderbuchfigur. 6,5 Millionen Kokosnuss-Bücher hat der Verlag cbj seit 2002 bereits verkauft und Lizenzen für 22 Übersetzungen erteilt. Hinzu kommen Millionen Rätsel- und Malbücher, CDs und seit dem vergangenen Jahr sogar eine App. Im Dezember kam ein Kokosnuss-Film in die Kinos, im Herbst 2015 folgt eine Fernsehserie im ZDF und Kika.

"Für mich steht die Unterhaltung der Kinder im Vordergrund", betonte Siegner. Das beiläufig vermittelte Wissen müsse aber auch stimmen. So lernte der Schriftsteller gleich zu Beginn der Zusammenarbeit mit dem Ägyptologen, dass die Pyramiden nicht von Sklaven errichtet wurden, wie es lange irrtümlich geglaubt wurde und wie es auch zuletzt Regisseur Ridley Scott in seinem Bibel-Epos "Exodus" darstellte.

Die Ägypter selbst hätten die Pyramiden in den Sommermonaten errichtet, als sie ihre vom Nil überschwemmten Felder nicht bestellen konnten, erklärte Loeben. In einer sehr frühen Phase des Staates hätten die Arbeiten als Identifikationsfaktor gedient, vergleichbar mit dem Bau der Metro in Moskau in der frühen Sowjetunion. Die Steinquader wurden zudem nicht mit Rollen, sondern auf aus Nilschlamm gebauten Rampen transportiert.

Zahlreiche Details strich Siegner nach Rücksprache mit dem Wissenschaftler - etwa Bananen und Hühner, die es in der Epoche des Pyramidenbaus dort noch nicht gab. Ein bisschen künstlerische Freiheit hat sich der Autor jedoch herausgenommen. So trägt der Junge, den Kokosnuss im Jahr 2500 vor Christus trifft, ein gestreiftes Hemd. Dass die Ägypter schon Streifen trugen, ist nicht verbrieft.