Bratislava - Der Schriftsteller Peter Pistanek, einer der wichtigsten Vertreter der slowakischen Gegenwartsliteratur, ist tot. Er starb bereits am Sonntag im Alter von 54 Jahren in Bratislava, wie die Zeitung "SME" berichtete.

In seiner Trilogie "Rivers of Babylon", dessen erster Band 1991 erschien, fing Pistanek mit viel Witz sowohl die Goldgräberstimmung als auch die kriminellen Machenschaften um die Wendezeit von 1989 ein.

"Mein Interesse galt immer den Outsidern, die sich stark nach Konformität und Anpassung sehnen, aber aus der gewöhnlichen Gesellschaft ausgestoßen worden sind", sagte Pistanek einmal. Den kleinen Ganoven, Geldwechslern, Prostituierten, Schmugglern und Wendeprofiteuren setzte er in seinen Büchern ein literarisches Denkmal. Die Sprache war oft rau und direkt. Mit seinem ganz eigenen Blick und seiner Ironie habe er die Leser immer wieder aufrichtig zum Lachen gebracht, hieß es in einem Nachruf.

Erst vor wenigen Monaten erschien in der Slowakei Pistaneks letzter Roman mit dem übersetzten Titel "Die Geisel", der in den 1960er Jahren spielt. Er erzählt von einem achtjährigen Jungen, dessen Eltern vor dem Sozialismus nach Österreich fliehen, ihr Kind aber bei den Großeltern zurücklassen. Die Eltern sind nur wenige Dutzende Kilometer entfernt, aber wegen des Eisernen Vorhangs unerreichbar. Der Regisseur Juraj Nvota verfilmt den Stoff.

Pistaneks Werke wurden unter anderem ins Englische, Tschechische, Türkische und Spanische übersetzt. Neben Romanen und Novellen schrieb der vielseitige Autor auch amüsante Alltagsessays und Sachbücher über die Geschichte des Cognacs oder Familienrezepte.