München - Die Autorin Nicci French, die seit Jahren in regelmäßigen Abständen auf den Krimi-Bestsellerlisten zu finden ist, gibt es gar nicht.

Hinter dem Namen verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French, die gemeinsam schreiben und mit der Reihe über die Psychologin Frieda Klein derzeit auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere angekommen sind. Die beiden haben jetzt den dritten Teil der auf sieben Bände angelegten "Wochentags-Reihe" auf den Markt gebracht. Auf "Blauer Montag" und "Eisiger Dienstag" folgt nun "Schwarzer Mittwoch".

Im Mittelpunkt steht natürlich Frieda Klein, diese zurückhaltende Psychologin, die auch selbst einige Verhaltensauffälligkeiten aufweist. Zwar hat sie nach dem letzten Kriminalfall, an dem sie mitgearbeitet hat, Polizeiverbot. Das verhindert aber natürlich nicht, dass sie bei der Aufklärung des brutalen Mordes an einer Hausfrau in einem beschaulichen Londoner Wohnviertel die entscheidende Rolle spielt.

Der Fall ist mysteriös: Als die dreizehnjährige Dora von der Schule nach Hause kommt, findet sie die blutüberströmte Leiche ihrer Mutter Ruth Lennox im Wohnzimmer der Familie. Den Verdacht, ein Einbrecher könne der Täter sein, verwirft die Polizei schnell. Und so sickert langsam aber sicher die Erkenntnis ein: Jemand aus ihrem Umfeld muss die nette und freundliche Frau getötet haben, die doch bei allen so beliebt war und von ihren drei Kindern vergöttert wurde.

Kommissar Malcolm Karlsson macht sich zunächst ohne Friedas Hilfe auf die Suche nach dem Täter, ist sie doch in der Chefetage des Polizeipräsidiums in Ungnade gefallen. Doch ihre Nichte ist ausgerechnet mit dem ältesten Sohn der vom Mord an der Mutter erschütterten Familie befreundet - und so ist Frieda schnell wieder mittendrin. Dabei hat sie mit sich, ihrer Fernbeziehung, ihrem Stalker und dem Kampf um ihren guten Ruf eigentlich schon genug zu tun. Und dann gerät sie durch einen Zufall auch noch an den Journalisten Jim Fearby, der einer Serie von Mädchenmorden auf der Spur ist.

Das alles ist ein wenig zu viel des Guten. Gerrard und French erzählen auf 528 Seiten, was locker 800 gebraucht hätte. Natürlich führt das zu einer sehr dichten Erzählweise und wenig Leerlauf. Wenn allerdings die Geschichte über einen Serienmörder zum Nebenstrang, zur Nebensache, wird, dann geht das auch auf Kosten der Spannung.

Einer der beiden Fälle hätte wahrscheinlich einfach besser erst am Donnerstag stattgefunden. "Dunkler Donnerstag" soll nach Angaben des Verlages C.Bertelsmann Ende des Jahres auf den deutschen Markt kommen. Darin kommt der Leser endlich auch der Geschichte Frieda Kleins auf die Spur und der Antwort auf die Frage näher: Warum ist diese Psychologin eigentlich so schrecklich kompliziert?

Nicci French: Schwarzer Mittwoch. C. Bertelsmann Verlag, München, 544 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3570101643