Berlin Eine Reise in die Vergangenheit, ein alter Bauernhof und ein Fehler, der kaum mehr gut zu machen ist Max, ein junger Lehrer aus Bremen, hütet in den Sommerferien das Haus seiner Eltern.

In der Pampa im Schwarzwald, wo er groß geworden ist, trifft er Freunde von früher: seine Ex Maria und seinen ewigen Konkurrenten Jan.

Alte Gefühle kochen hoch, doch da bekommt Max einen Anruf aus Kreta: Seine Eltern sind auf der griechischen Urlaubsinsel ums Leben gekommen. In seiner Trauer konfrontiert sich der 29-Jährige mit den Geistern seiner Vergangenheit und reist schließlich in die USA, um sie endlich loszuwerden.

Fabian Hischmanns melancholischer Debütroman, der für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert ist, entführt den Leser in den Schwarzwald, auf Kreta und nach New York. Der 1983 geborene Autor, der selbst aus dem baden-württemberischen Donauesching stammt und heute in Berlin lebt, strukturiert seine Geschichte geschickt mit Hilfe wiederkehrender Elemente und Ein-Satz-Kapitel, die wie Zwischenüberschriften funktionieren.

Im Zentrum von Hischmanns Roman steht Max, der sich von einem jungen Lehrer ohne Ambitionen zu einem Mann entwickelt, der sich seinen Ängsten und Träumen stellt. Im Lauf der Geschichte entfaltet Max eine Art entspanntes Erwachsensein. Die Sehnsucht für immer ein Kind zu sein, bleibt ihm dabei bis zum Schluss erhalten. In diesem Sinn ist "Am Ende schmeißen wir mit Gold" auch eine Geschichte über das Seelenleben der End-Zwanziger.

Das zeigt sich deutlich beim Thema Liebe. In dem Roman ist sie etwas Unbefangenes und Unverbindliches. Max hat eine lockere Beziehung mit Valentin aus Bremen, träumt nachts aber von Sex mit Jan. Die Trennung von Maria hat er am Anfang des Romans noch nicht ganz verarbeitet, geht in New York aber mit einer Schriftstellerin ins Bett. Eifersucht oder gar Besitzansprüche spielen bei all dem Liebesgeflüster keine Rolle. Die Protagonisten gehen ehrlich mit ihren Gefühlen um und gestehen sich und den anderen Freiräume zu.

Überhaupt hat Hischmann keine Angst davor, seine Hauptfigur Gefühle zeigen zu lassen. Die Trauer von Max um seine Eltern beschreibt er authentisch, ohne den jungen Lehrer zum Weichei zu degradieren. Max ist quasi der Prototyp des sogenannten neuen Mannes, der ein entspanntes Verhältnis zu seinem Seelenleben hat. Dabei charakterisiert Hischmann seine Hauptfigur so locker, so selbstverständlich, dass Max Emotionalität nicht lehrmeisterlich daher kommt. Er ist einfach so, wie er ist.

Insgesamt ist Hischmann ein melancholisch-leichter Roman gelungen. Stellenweise fragt sich der Leser allerdings, wo die Geschichte hinführen soll. Wer zunächst glaubt, in dem Buch gehe es um die Beziehung dreier alter Freunde, ist nicht ganz auf dem richtigen Weg und vielleicht ein wenig enttäuscht. Andererseits reißen die Brüche im Handlungsstrang die Hauptfigur aus ihrer Lethargie. Ein gut lesbares Stück über den Zustand der End-Zwanziger ist "Am Ende schmeißen wir mit Gold" allemal.

- Fabian Hischmann: Am Ende schmeißen wir mit Gold, Berlin Verlag, 256 Seiten, 18,99 Euro, ISBN 978-3-8270-1148-0.