Berlin - In Toni Morrisons Romanen stehen normalerweise Frauen im Mittelpunkt. Männer sind in ihren Büchern eher Nebenfiguren, und sie kommen auch meist nicht so gut weg. Oft sind sie brutal und unfähig.

In ihrem neuesten Roman "Heimkehr" dagegen entwirft die amerikanische Nobelpreisautorin ein differenziertes Männerporträt. Es ist die Geschichte des Veteranen Frank Money, der die Traumata aus dem Koreakrieg mit in seine Heimat nimmt.

Der schmale Band ist Teil eines Zyklus\', beginnend mit dem Roman "Jazz", in dem Morrison (83) die Situation der Schwarzen in den USA in verschiedenen Jahrzehnten beleuchtet. Hier sind es die von der Antikommunismus-Hysterie und dem alltäglichen Rassismus geprägten 50er Jahre. Der schwarze Südstaatler Frank Money war Soldat im Koreakrieg. Unter schrecklichen Umständen verlor er dort zwei Jugendfreunde, die an seiner Seite gekämpft hatten. Auch belastet ihn ein anderes Kriegserlebnis, bei dem er selbst schwere Schuld auf sich geladen hat, das allerdings erst im Laufe der Erzählung in seiner ganzen Dramatik enthüllt wird.

Zurück in den USA hat Frank größte Probleme, sich wieder einzufinden. Er vagabundiert umher, landet in einer psychiatrischen Klinik, flüchtet ohne Geld und ohne Schuhe und erhält schließlich Hilfe von einem großzügigen Geistlichen. Frank fährt mit dem Zug quer durch die USA ins heimatliche Georgia, in das sterbenslangweilige Kaff Lotus, das er eigentlich nie wiedersehen wollte. Denn es ist der "übelste Ort dieser Welt, übler als jedes Schlachtfeld".

Doch Frank hat einen alarmierenden Brief erhalten. Seine Schwester Cee soll schwerkrank darniederliegen. Wenn er sich nicht beeilt, wird sie tot sein. Die kleine Schwester jedoch ist der Mensch, der ihm am meisten bedeutet: "Cee hatte kein Wehwehchen und keine Wunde gehabt, ohne dass er sie getröstet hätte." Ihre Jugend war hart gewesen. Die aus Texas vertriebenen Eltern mussten Zuflucht im Hause der Großmutter suchen, die ihren ganzen Hass auf die beengende und demütigende Situation an ihrer Enkelin ausließ. Als Frank zum Militär ging, verlor Cee ihren Beistand und prompt fiel sie auf das Gehabe eines Großkotzes herein, der sie bald sitzen ließ.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Eine scheinbar verheißungsvolle Anstellung bei einem Gynäkologen wird zu einem Albtraum. Denn dieser benutzt das schwarze Mädchen als Versuchsobjekt für seine verbrecherischen rassistischen Experimente. Nur dank der Heilkunst weiser, schwarzer Frauen überlebt sie. In den Ratschlägen, die eine der weisen Frauen Cee mit auf den Weg gibt, zeigt sich wieder die typische Toni Morrison: "Du bist frei. Nichts und niemand ist verpflichtet, dich zu retten, nur du selbst. Irgendwo in dir drin steckt dieser freie Mensch. Finde ihn und lass ihn was Gutes tun in der Welt."

Die Sicht des allwissenden Erzählers und die Perspektive Franks wechseln einander ab und vermitteln das überzeugende Bild eines psychisch tief verstörten Mannes, der jedoch seine Menschlichkeit noch nicht verloren hat. Das kleinbürgerliche Leben der Schwarzen in der tiefen amerikanischen Provinz und auch der alltägliche Rassismus werden von Morrison in verschiedenen Szenen schlaglichtartig beleuchtet. Doch insgesamt ist ihr das neue Buch einfach zu knapp geraten, um ein gelungenes Ganzes zu ergeben. Es bricht ab, wo es spannend wird und lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück.

- Toni Morrison: Heimkehr. Rowohlt Verlag, Reinbek, 160 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978-3-498-04525-8.